"Keine aktuellen Katastrophen"

15. März 2005, 18:24
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Barbara Karlich feiert 1000 Sendungen über "Turbo-Opi", "Sex ist mein Hobby" oder "Ich wurde Opfer eines Verbrechens"

STANDARD: Die "Barbara Karlich-Show" feiert ihre 1000. Sendung. Sind die Aquariumfische noch erste Garnitur?

Karlich: Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, sie wurden einmal ausgetauscht. Die, die jetzt drinnen sind, haben fast menschliche Gesichter. Ich begrüße meine Fische immer vor der Show. Sobald die Kamera läuft, sind sie lebendiger als sonst.

STANDARD: Kein Wunder, die Fische haben schon einiges miterleben dürfen. Gehen Ihnen nicht langsam die Themen aus?

Karlich: Ich mache die Themen nicht. Mein Redaktionsteam ist dafür verantwortlich.

STANDARD: Anders gefragt: Arabella ist Geschichte, bei Barbara Karlich steigt die Quote. Wie kommt das?

Karlich: Das Geheimnis, dass meine Show so gut ist, sind die Themen, die österreichischen Gäste, und es ist sicherlich in gewisser Art und Weise auch meine Person. Ich kann alles fragen, ohne an unangenehme Grenzen zu stoßen.

STANDARD: An manchen Tagen schnupfen Sie gar die "ZiB 2". Sagt das nicht etwas über das heimische TV-Publikum aus?

Karlich: Dafür hat die "ZiB 1" kongeniale Quoten. Während der "ZiB 2" schläft der Hauptteil der Menschheit in Österreich. Ich freue mich über meine Quoten, die von der "ZiB 2" sind mir wurscht. Meine Sendung hat an Niveau sehr gewonnen, sie ist nicht mehr so reißerisch wie früher.

STANDARD: Die Themen waren früher reißerischer?

Karlich: Bestimmt. Wir haben uns zu sehr an den Deutschen orientiert. Indem wir ältere Gäste einluden, wurde auch das Niveau höher. 40-Jährige reden besser als 17-Jährige.

STANDARD: Auf welche Sendung gab's die meisten Reaktionen?

Karlich: Immer wenn es um Wunderheiler geht. Heftig reagieren die Zuseher auch, wenn es um Schicksale geht: "Ich habe meine Frau 3000-mal betrogen."

STANDARD: Dann heißt es: Drei Monate ohne Wunderheiler, jetzt wird's wieder Zeit?

Karlich: Weil das Interesse groß ist, machen wir alle paar Monate eine Sendung dazu.

STANDARD: Nach dem Tsunami haben Sie Neujahrsvorsätze, schöne Beine, Sex als Hobby besprochen ...

Karlich: Ich weiß, was jetzt kommt: Wie kann man, wenn das ganze Land unter Schock steht. Wir haben das versucht, es funktioniert nicht: Die Leute wollen in der Talkshow nicht über aktuelle Katastrophen reden. Ich muss darauf schauen, was der Zuschauer will, das ist mein Job. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2005)

Zur Person

Die 36-jährige Burgenländerin lädt seit 1999 Gäste zum Nachmittagstalk. Nebenbei schreibt sie ihre Dissertation zum Thema "Die Talkshow als Bühne des Lebens".

  • Eine Frau, 1000 Sendungen, unzählige redselige Gäste: Barbara Karlich befragt "Miss Oma"...
    foto: orf/schafler

    Eine Frau, 1000 Sendungen, unzählige redselige Gäste: Barbara Karlich befragt "Miss Oma"...

  • ...interessiert sich für Geständnisse aller Art: "Mein Gesicht macht mir nur Ärger"...
    foto: orf/schafler

    ...interessiert sich für Geständnisse aller Art: "Mein Gesicht macht mir nur Ärger"...

  • ... und treibt gern Schabernack: "Trara, die Karlich-Faschingsnarren!"
    foto: orf/schafler

    ... und treibt gern Schabernack: "Trara, die Karlich-Faschingsnarren!"

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