Filmtipp: "Höllentour"

27. Februar 2005, 12:17
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Oscarpreisträger Pepe Danquart porträtiert Mythos "Tour de France" - Erik Zabel und Rolf Aldag lebten drei Wochen mit der Kamera

Wien - "Was für einen Bergsteiger der Mount Everest ist, das ist für einen Radfahrer die Tour de France", spricht T-Mobile-Teammanager Mario Kummer schon im Prolog zu Pepe Danquarts Film "Höllentour" vom Kulminationspunkt eines Radsport-Lebens. Wenn Hubschrauber über den französischen Alpen kreisen, wenn 189 der besten Radsportler der Welt drei Wochen leiden, und wenn eine ganze Nation auf den Beinen ist, dann ist es wieder Zeit für die "Große Schleife". Oscarpreisträger Danquart (1993, Schwarzfahrer) hat sie in seinem zweiten Sportfilm eingefangen, die Tränen, Triumphe und Tragödien des Mythos "Tour de France".

Im Bett mit Zabel

Die Geschichte schreibt die Tour 2003, als die prestigeträchtigste Radrundfahrt der Welt ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum feierte. Ein besseres Drehbuch hätte sich Danquart gar nicht wünschen können. Als Protagonisten fungieren die deutschen Radprofis Erik Zabel und Rolf Aldag, die elf Jahre ein Zimmer teilen und die eine tiefe Freundschaft verbindet. Gemeinsam mit dem T-Mobile-Team wurden sie drei Wochen von drei Kamerateams auf Schritt und Tritt verfolgt, zur Massage, zum Essen, zur Beinrasur.

Mit ihnen wagt Danquart einen Blick hinter die Kulissen des mediatisierten Großereignisses "Tour de France" und vertraut bei diesem epischen Gesamtporträt eines in gleichem Maße epischen Radsportereignisses gänzlich auf die Aussagekraft seiner Bilder - keine Erzählerstimme aus dem Off, keine Einblendungen, nur Untertitel zu Übersetzungszwecken. Er lässt die Menschen sprechen, die die Rundfahrt prägen, und schafft damit Authentizität: Fahrer, Manager, Masseure, Fernsehkommentatoren, Zuschauer.

Im Mittelpunkt einer Produktion, die alles andere als eine offizielle Tour-Dokumentation ist, steht aber die persönliche Komponente, die Ängste, das Leiden, die Zweifel, die seine Helden jährlich durchleben. "Es gibt Momente, die sind so emotional, dass man sie normalerweise nicht mit Fremden teilen würde", sagte Aldag. Der Film, der, nachdem er in Deutschland mehr als 200.000 Besucher in die Kinos lockte, am 18. Februar auch in Österreich anläuft, zeigt diese Momente. Die nur schwer in Bilder transkribierbare und heikle Materie der Dopingproblematik wird allerdings (bewusst) ausspart. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Drei Wochen Tour de France mit Erik Zabel.

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