Szenen zweier Ehen

14. Februar 2005, 20:42
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"Die kahle Sängerin" von Eugène Ionesco im Volkstheater Plafond

"Vergessen wir alles, Darling, was zwischen uns nicht geschehen ist." Szenen einer Ehe, deren lähmende Ereignisleere zu täglichen Ritualen wechselseitiger Gleichgültigkeit und sachlichen Triumphen der Demütigung gerann. Vor mehr als fünfzig Jahren reihte Eugène Ionesco die unerhörtesten Floskeln innerehelicher Anti-Kommunikation zum einstündigen "Anti-Stück" Die kahle Sängerin. Während ein halbes Jahrhundert später der Norweger Jon Fosse die Sprachlosigkeit zu beklemmenden Liedern der Monotonie verdichtet, schlägt Ionesco in absurder Überhöhung Funken des Witzes aus der fatalen Stille im englischen Interieur des englischen Ehepaars Smith.

Karl Markovics wählte die einstündige Miniatur am Plafond des Volkstheaters für sein Debüt als Regisseur und Ausstatter in Personalunion. - Und erbrachte bereits durch die Raumgestaltung den Beweis, dass Stil nicht allein der Höhe des Budgets entspringt. Dunkel getönte Wände, ein Teppich in Beige, darauf zwei Fauteuils, ein Sofa, von der Decke ein Kristallluster: Minimalistisch entstand das englische Interieur, bereit für die englische Abendunterhaltung und bar der Volkstheater-üblichen Sperrholz-Armut.
Britisches Understatement auch im Spiel: Gestische Kargheit, leise gesetzte Pointen, dazwischen Raum für bedrückende Stille. Stephanie Taussig und Michael Rastl als Mrs. und Mr. Smith, Piroska Szekely und Alexander Lhotzky in den Rollen der einander gänzlich unbekannten Besucher Mrs. und Mr. Martin, Sabine Herget als Dienstmädchen Mary, Uwe Falkenbachs Feuerhauptmann: Markovics versteht sich auch als Regisseur auf darstellerische Präzision. Bald im Großen Haus? (cia/DER STANDARD, Printausgabe, 15.02.2005)

Volkstheater/Plafond
7., Neustiftgasse 1
01/524 72 63
19.30 Uhr
  • Artikelbild
    foto: volkstheater/vukovits
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