Dr. Deans letzter Schrei

25. Februar 2005, 19:19
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Als Parteichef der Demokraten muss der Ex-Gouverneur von Vermont in den nächsten Jahren im Hintergrund agieren - von Eric Frey

Er wird wohl immer für seinen berüchtigten Schrei nach der Vorwahl-Niederlage in Iowa bekannt bleiben, aber Howard Dean erhält nun die Chance, mit anderen Tönen in die Geschichtsbücher einzugehen. Als Parteichef der Demokraten muss der Ex-Gouverneur von Vermont in den nächsten Jahren im Hintergrund agieren. Doch von seinem Organisationstalent wird es abhängen, ob die nach mehreren Niederlagen demoralisierte Partei bei den Kongresswahlen 2006 endlich die Übermacht der Republikaner zurückdrängen kann.

Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. George W. Bush ist schon früh vom Fluch der zweiten Amtszeit befallen worden. Seine Pläne zur Pensionsreform sind äußerst unpopulär und werden wahrscheinlich im Kongress scheitern, seine Zustimmungswerte sinken. Und mit der Entscheidung für den unkonventionellen Mediziner haben die Demokraten den Mut bewiesen, sich nicht als Abklatsch der Republikaner, sondern als harte Oppositionskraft zu präsentieren.

Das mag zwar moderate Wähler im Süden und Westen abschrecken, doch auch Wischiwaschipositionen haben der Partei bisher wenig genützt. Als Präsidentschaftskandidat war Dr. Dean zwar eine Fehlbesetzung, als Speerspitze seiner Partei aber könnte er sich dank seines Charismas, seiner Volksverbundenheit und seiner bewiesenen Fähigkeiten, Parteispenden übers Internet zu sammeln, als richtige Wahl entpuppen.

Ein größeres Problem für die Partei stellt Hillary Clinton dar. Die Senatorin von New York ist die populärste Politikerin und kann dank ihrer Religiosität und Betonung konservativer Werte auch gemäßigte Wähler ansprechen. Doch Experten sind überzeugt, dass Clinton nicht Präsidentin werden kann - weil sie eine Frau ist und ihr Mann Bill Clinton heißt, dem zu viele Wähler immer noch nicht trauen. Attraktive Alternativen zu Hillary für 2008 zu finden wird daher Deans schwerste Aufgabe sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.1.2005)

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