Ein Industriepark zur Beruhigung

12. Februar 2005, 16:59
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Südkorea will mit Investitionen das Regime in Pjöngjang stabilisieren

Seoul/Wien - Für Geschäftsleute ist die Sache ganz einfach: 57,50 Dollar (45 Euro) Monatslohn zahlt ein südkoreanischer Halbleiterhersteller seinen nordkoreanischen Arbeitern in der gerade eröffneten Sonder-Industriezone Kaesong unweit der Demarkationslinie der beiden Staaten - halb so viel Lohn, wie er in China zahlen müsste und 17-mal weniger als in Südkorea.

Kaesong ist natürlich gleichermaßen ein politisches wie wirtschaftliches Projekt. 700.000 Nordkoreaner und 100.000 Südkoreaner sollen dort einmal in vielleicht 2000 Unternehmen arbeiten und jährlich 20 Milliarden Dollar an Exportgütern produzieren, 20-mal mehr, als Nordkorea derzeit zustande bringt. Die Industriezone gilt als ein Kernstück der Politik der Annäherung, die Seoul seit fünf Jahren unter den linksliberalen Präsidenten Kim Dae-jung und nun Roh Moo Hyun intensiver betreibt.

Albtraum Vereinigung

Kaesong soll die beiden koreanischen Staaten aneinander binden, das Regime in Pjöngjang stabilisieren und zugleich weiter auf dem Weg der marktwirtschaftlichen Reformen halten und - wie südkoreanische Regierungsvertreter freimütig einräumen - den Albtraum einer chaotischen, noch weitaus kostspieligeren Wiedervereinigung als im Fall Deutschlands abwenden. Nebenbei lässt sich noch Geld verdienen.

Verhandlungen mit dem kommunistischen Norden sind allerdings umständlich und ihre Geschwindigkeit abhängig von den Trotz- und Protesthaltungen, die das Regime in Pjöngjang immer wieder gegenüber den USA einnimmt. Vier Jahre nach der Vorstellung des Kaesong-Projekts - ein Ergebnis des historischen Besuchs von Kim Dae-jung in Nordkorea im Jahr 2000 - arbeiten derzeit nur zwei Unternehmen auf dem Areal: der Halbleiter-Produzent S. J. Tech seit vergangenem Jänner und Livingart, ein Hersteller von Küchenwaren. Livingarts in Nordkorea produzierte Pfannen sollen vergangene Weihnachten in Seoul in nur zwei Tagen ausverkauft gewesen sein. (red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2005)

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