Entrüstung in Italien wegen TV-Streik

10. Februar 2005, 12:27
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RAI-Generaldirektor droht mit Strafen - Auch Kritik von Schröcksnadel

Bormio - Der Generaldirektor von Italiens Staatsfernsehen RAI, Flavio Cattaneo, hat jenen Kameraleuten, die mit ihrem Streik die Absage des Herren-Riesentorlaufs in Bormio am Mittwoch verursacht haben, strenge Strafen angedroht. "Es ist unannehmbar, dass eine kleine Gewerkschaft die WM lahm legt. Die Schäden fuer das italienische Sportsystem sind enorm", betonte Cattaneo.

Auch der Präsident der Region Lombardei, Roberto Formigoni, protestierte wegen des Streiks. "Wir haben Hunderte von Millionen Euro in die WM investiert, wir werden von der RAI Schadenersatz verlangen", so Formigoni. Empört zeigte sich auch der Chef des italienischen Olympiaverbands CONI, Gianni Petrucci. Italien hat eine sehr schlechte Figur gemacht. Das was in Bormio passiert ist, ist einfach unannehmbar", so Petrucci.

"Weltblamage!", titelte die italienische Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" am Donnerstag ihren Bericht über den Protest der "RAI Lombardia", einer Regionalgruppe des staatlichen italienischen Fernsehens RAI, die am Mittwoch die Titelkämpfe lahm gelegt hatte. Die Kameraleute protestierten für eine Erhöhung ihrer Gehälter. "In Bormio hat der Ski einen schwarzen Mittwoch erlebt. Das große Fest des internationalen Ski ist zu einer Weltschande geworden", hieß es in der "Gazzetta".

Die RAI-Gewerkschaft wies die Vorwürfe entschieden zurück. "Wir hatten den Streik schon vor drei Wochen angemeldet. Niemand hat aber Kontakt mit uns aufgenommen, um sich über die Gründe unseres Protests zu informieren. Der Streik wurde aus Protest wegen ausbleibenden Gehaltserhöhungen und drohenden Entlassungen ausgerufen", so ein Sprecher der Gewerkschaft.

Kritik von Schröcksnadel

Auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sparte nicht mit Kritik. "So etwas darf einfach nicht passieren", meinte der Verbandsboss und griff vor allem das FIS-Management und FIS-Marketing heftig an. "Da hat das Management versagt. Das gehört geändert, das müssen wir im FIS-Vorstand diskutieren."

Laut Schröcksnadel fehlt ein Krisenmanagement, um auch für solche Fälle gerüstet zu sein. "Einerseits muss man schauen, dass so etwas auf Grund von Verträgen ausgeschlossen ist. Andererseits ist es durchaus möglich, innerhalb von einem oder zwei Tagen ein komplettes Ersatzteam auf die Beine zu stellen." Schröcksnadel ist überzeugt, dass der ORF in Bormio ohne Zögern für RAI in die Bresche gesprungen wäre und "sofort geholfen hätte".

Schröcksnadel, der vor allem mit den umsonst angeristen Fans mitfühlte, sprach klare Forderungen aus: "Das Management gehört geändert, da gehören Profis her, die im Marketing ihr Geschäft verstehen." Der ÖSV-Boss meinte, dass alle Verbände nun gefordert seien. "Die FIS sind nicht nur zwei, drei Leute, die im FIS-Büro sitzen. Die FIS sind wir alle." (APA)

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    Am Mittowch blieben die Fernseher schwarz.

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