Wien: Diskussion um Gestaltung der geplanten Holocaust-Gedenkstätte

14. Februar 2005, 20:46
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Frage der Auflistung der Namen der Nazi-Opfer

Wien - Die Gestaltung der geplanten Gedenkstätte auf dem Areal des ehemaligen Aspang-Bahnhofs in Wien wird noch für Diskussionen sorgen. Offener Punkt ist vor allem die Darstellung der Namen der Nazi-Opfer. Der in Kanada lebende Kurt Yakov Tutter, der Wien auf der Flucht vor den Nazis verlassen musste und von dem die Idee für die Gedenkstätte ursprünglich stammt, sieht diese als zentrales Element des Vorhabens. Ein Nein hingegen kommt vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant: Dies wäre nicht nötig, weil in der Synagoge in der Seitenstettengasse bereits alle Namen aufgelistet seien.

Für die Namen

In den Augen Tutters ist es die letzte Würdigung für einen Menschen, ihm einen Grabstein mit dem Namen zu setzen. Er schlägt daher vor, die Namen der Deportierten in Mauern einzumeißeln. Unterstützt wird er von einer Initiativgruppe, der u.a. der Innsbrucker Politologe Anton Pelinka angehört. Pelinka in einer der APA übermittelten Stellungnahme: "Jedes der über 600.000 österreichischen Mitgliedern der NSDAP, das den Krieg überlebt hat, bekommt zur Zeit seines Todes einen Grabstein, auf dem sein Name in großen Buchstaben festgehalten ist. Den Deportierten sollen doch endlich ihre Namen zurückgegeben werden!"

Wettbewerb

Diesen Kernpunkt ihres Projekts sehen Tutter und Pelinka nun gefährdet. Im Jänner hat sich ein Proponentenkomitee, dem Bundes-, Landes- und Bezirkspolitiker von SPÖ und ÖVP angehören, darauf geeinigt, dass unter dem Titel "Gedenkstätte für den deportierten Nachbarn" im Herbst ein Wettbewerb für die Gestaltung ausgeschrieben wird. Ansprechen will man damit Architekten genauso wie Schüler und Studenten. Der Wettbewerb sei ein Beitrag der Stadt Wien zum Jubiläumsjahr 2005, so der zuständige Stadtrat Rudolf Schicker (S).

"Die in Mauern gemeißelten Namen sind bestenfalls eine entfernte Möglichkeit geblieben", kritisiert nun Pelinka. Diese "Nachbarn" seine aber "keine Abstraktionen, sondern Frauen, Männer und Kinder, die alle einen Namen hatten". Die Initiativgruppe der Shoah-Gedenkstätte bleibe ihrem ursprünglichen Projekt treu und werde sich bemühen, die Kritiker davon zu überzeugen.

Gegen die Namen

"Ich bin kein Anhänger der Multiplikation von Dingen", hielt Muzicant im Gespräch fest. Die Namen seien bereits in der Synagoge in der Seitenstettengasse aufgelistet. "Die Opfer wollten eine Gedenkstätte in der Synagoge. Die haben wir gebaut. Warum sollten wir das noch einmal machen?"

Der IKG-Präsident setzt nun auf den Wettbewerb - und auf die Überlegungen, sich mit den Themen Züge und Bahnhof auseinander zu setzen. "Das ist das wirkliche Thema am Aspang-Bahnhof und nicht die 65.000 Namen." (APA)

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