Medienkonzerne liebäugeln mit Game-Herstellern

16. Februar 2005, 12:57
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Profit-Spannen bei Video- und Computer-Games locken Warner & Co

US-Medienunternehmen versuchen wieder einen Schritt in das Game-Business zu setzen. Der letzte Versuch scheiterte laut New York Times vor zehn Jahren, als Filme und TV mit Video-Games kombiniert werden sollten. Der Medienriese Disney gab vergangene Woche bei einer Konferenz bekannt, dass das Unternehmen in Verhandlung mit mehreren Game-Herstellern sei und an die 50 Mio. Dollar investieren will, um in diesem Segment Fuß zu fassen. Angetrieben werden die Medienkonzerne durch die erwirtschafteten Gewinne der Game-Branche. Bis dato haben die Film-Studios gerne Lizenzen an Game-Hersteller vergeben. Denn die Gewinnspanne liegt bei 25 Prozent, dreimal so viel wie bei Filmproduktionen.

Medialer Crossover

Die Idee von medialen Crossover-Erfolgen gibt es schon seit den 1970er und 1980er Jahren, als viele Filmstudios Buchverlage erworben haben, in der Hoffnung, deren Titel für spätere Filmproduktionen verwerten zu können. Der Versuch, Buchveröffentlichungen und Filmproduktionen miteinander zu verbinden, schlug auch fehl. In den 1990er Jahren wollten Dreamworks & Co ihre eigenen Game-Units gründen und scheiterten meist an den Kosten und an den geringen Erfahrungen. Auf diesem Nährboden entstanden die Nischen für die heutigen Game-Schmieden.

Multiplayer-Online-Games und Handy-Spiele

Während Sony-Pictures nach wie vor Lizenzen vergibt und Disney versucht, eigene Produkte herzustellen - u.a. auch für den erscheinenden Film "Chronicles of Narnia" - verfolgt Time Warner die aggressivste Linie unter den Filmproduzenten. Lizenzen werden vergeben, Kooperationen mit Game-Herstellern aufgezogen und eigene Spiele produziert. Immer beliebter werden auch Multiplayer-Online-Games und Handy-Spiele aufgrund der geringeren Produktionskosten. Ein Vergleich: Die Produktionskosten für ein XBox-Spiel belaufen sich auf 15 Mio. Dollar. Beim Handy-Game sind es nur 100.000 Dollar.

"Halo2"

Neben den Risiken bei Eigenproduktionen stehen natürlich auch die möglichen Gewinne im Vordergrund. Das XBox-Spiel "Halo2" hat am ersten Tag 125 Mio. Dollar eingespielt und liegt weit über den Einspielergebnissen von Filmen. Experten glauben auch, dass Warner & Co auf die neue Generation von DVD-Playern warten, um "Vintage Films" wiederzuveröffentlichen, Fortsetzungen von Comic-Büchern und TV-Shows aus dem eigenen Haus, die gemeinsam mit neuen Video-Games promoted und verpackt werden. Damit wären die Film-Studios dann doch eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Game-Hersteller. (pte)

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