Uni-Evaluierung: Nicht mehr notwendiges Übel, sondern "Gewinn"

18. Mai 2005, 18:53
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Qualitätssicherungsagentur unterstützt Unis auf dem Weg zur Evaluierungskultur - Internationales Uni-Ranking mit österreichischer Beteiligung erscheint Mitte Mai

Österreich ist ein Land ohne Evaluierungskultur im Hochschulbereich. Bisher wurden Evaluationen vielfach als notwendiges Übel betrachtet und blieben meist ergebnislos. "Es liegt in der Hand der Universitäten, das zu ändern" und Evaluierungen nicht nur als eine im Universitätsgesetz (UG) verankerte Pflicht zu sehen, sondern "auch als Gewinn", erklärte der Geschäftsführer der Österreichischen Qualitätssicherungsagentur (AQA), Alexander Kohler, im Gespräch mit der APA. Die AQA sei "keine Kontrollbehörde", sondern eine "Service-Einrichtung", die Evaluierungsverfahren ausarbeitet und anbietet, Evaluierungen koordiniert und bei der Entwicklung von Verfahren der Qualitätssicherung hilft.

Bisher nicht institutionalisiert

Während Fachhochschulen und Privatunis bereits vor ihrer Zulassung durch eine unabhängige Instanz (Fachhochschulrat und Akkreditierungsrat) geprüft werden und sich dann in regelmäßigen Abständen Qualitätskontrollen unterziehen müssen, gab es an den Unis bisher kaum institutionalisierte Qualitätskontrolle. Das neue UG verpflichtet sie aber zur Einrichtung von Qualitätsmanagementsystemen, die in Zukunft im Rahmen der Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Unis eine wichtige Rolle spielen werden.

Feigenblatt oder Profilbildung

"Ich gehe davon aus, dass die Unis funktionierende Systeme aufbauen werden und selbst in der Lage sind, die Qualität ihrer Programme zu sichern", betonte Kohler. Die Frage sei nur, wie die Unis damit umgehen, "ob sie Qualitätssicherung als Feigenblatt betrachten oder als Möglichkeit und Beitrag zur Profilbildung".

Pilot-Verfahren

Die AQA unterstützt die Unis mit der Entwicklung eines standardisierten Evaluierungsverfahrens für Bachelor- und Masterstudien. Kohler rechnet damit, im Laufe des Frühjahres einzelne Pilot-Verfahren auf verschiedenen Studienrichtungen anwenden zu können, wobei die Unis künftig selbst entscheiden sollen, welche Studienrichtung mit diesen Verfahren evaluiert werden.

Zertifizierte Programme

Außerdem wird die AQA in Kooperation mit den Hochschulen ein Verfahren zur Evaluierung der einzelnen Qualitätssicherungssysteme konzipieren, die in weiterer Folge auch zertifiziert werden sollen. Im Bereich Fachhochschulen (FH) koordiniert die AQA bereits elf externe Evaluierungen von FH-Einrichtungen nach dem Peer-Review-Verfahren.

Vergleich im Mai

Publikumswirksam wird die Arbeit der AQA beim internationalen Hochschul-Ranking, das die Agentur derzeit gemeinsam mit dem deutschen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und der Schweizer Rektorenkonferenz vorbereitet. Mitte Mai erscheint der erste Vergleich von sozial- und rechtswissenschaftlichen Studienangeboten an Unis in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Acht Teilnehmer

Die Beteiligung an dem Ranking ist freiwillig, nach anfänglichem Zögern einzelner Unis, nehmen nun aber alle acht österreichischen Unis, die Studien in diesen Bereichen haben, daran teil. Für das Ranking berücksichtigt werden nicht nur Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung, sondern auch Urteile der Studierenden über die Studienbedingungen an ihrer Uni sowie Meinungen von Professoren über die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre an der eigenen Hochschule. Auch österreichische FH beteiligen sich an dem Ranking, doch deren Ergebnisse werden nicht publiziert. Sie sollen nur für den internen Diskussionsprozess verwendet werden und den FH bei der Entwicklung von Benchmarks helfen, so Kohler.

Basisfinanzierung gesichert

Die AQA ist ein von Österreichischer Rektorenkonferenz, Fachhochschulkonferenz, Privatuniversitäten-Vereinigung, Hochschülerschaft und Bildungsministerium getragener Verein. Die Basisfinanzierung der derzeit sechs Mitarbeiter umfassenden Agentur erfolgt durch das Ministerium, sie soll sich primär aber durch Abgeltung ihrer Leistungen finanzieren. (APA)

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