Norbert Darabos: ORF misst mit zweierlei Maß

23. Februar 2005, 13:46
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Offener Brief von Darabos an Lindner: Objektivität wieder herstellen

Die SPÖ kritisiert in einem "Offenen Brief" an ORF-Generaldirektorin Monika Lindner die Berichterstattung des ORF in den Nachrichtensendungen. Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos verweist auf den seit 2002 anhaltenden "Zuseherschwund". Hand in Hand damit gehe die Tatsache, dass die Regierungsparteien in den Nachrichtensendungen des ORF überproportional bevorzugt, die Opposition bzw. die SPÖ aber "krass benachteiligt" werde. Es werde - entgegen dem Objektivitätsgebot des ORF - "nachweisbar und systematisch mit zweierlei Maß gemessen". Vom ORF gab es am Freitag keine Stellungnahme dazu.

Darabos appelliert an Lindner, "die Objektivität in der Berichterstattung wieder herzustellen und somit auch den kontinuierlichen Zuseher- und Bedeutungsverlust des ORF zu beenden".

Ein "eher als autokratisch zu bezeichnender Arbeitsstil"

Namentlich nennt er in seinem "Offenen Brief" an die Generaldirektorin den für die "ZiB" zuständigen Chefredakteur Werner Mück. Unter Mück herrsche ein "eher als autokratisch zu bezeichnender Arbeitsstil bei der Konzipierung der Nachrichtensendungen". Es sei immer wieder "aus den Redaktionen zu vernehmen, dass der Chefredakteur fragwürdige Weisungen ausgibt, wonach in den abendlichen Nachrichtensendungen nur über Pressekonferenzen und öffentliche Auftritte von Ministern und allenfalls noch von Parteivorsitzenden berichtet werden dürfe". Damit werde der Opposition fast jegliche Auftrittsmöglichkeit genommen. "Dass genau dieser Effekt im Sinne des Erfinders ist, kann ich in Kenntnis dessen, dass Werner Mück seinen Geburtstag gerne mit dem Bundeskanzler und dem ÖVP-Klubobmann feiert und mit beiden das Du-Wort pflegt, nicht von der Hand weisen", so Darabos.

Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer zählt eine Reihe Punkte als Beleg für seine Vorwürfe auf: So komme die SPÖ, die seit eineinhalb Jahren in sämtlichen Umfragen führe, in den abendlichen "Zeit im Bild"-Sendungen beinahe nicht mehr vor. SPÖ-Politiker hätten in der "ZiB 1" im Jahr 2004 einen Redezeit-Anteil von nur 27 Prozent gehabt, während ÖVP-Politiker zu 41 Prozent zu Wort gekommen seien. Als aktuellstes Beispiel nennt Darabos die Berichterstattung rund um die jüngste Regierungskrise über die Wehrdienstverkürzung. Die Vorschläge der SPÖ, der Krise durch eine Gesetzesinitiative Herr zu werden, seien "beharrlich ignoriert" worden.

"Ebenso unerklärlich" sei die jüngste Berichterstattung über die Arbeitslosigkeit: An dem Tag, an dem in Österreich so viele Menschen arbeitslos waren wie nie zuvor in der Zweiten Republik, sei in der "ZiB 1" der Fokus auf die Arbeitslosigkeit in Deutschland gelegt worden. Dabei habe man nicht vergessen, "die Arbeitslosigkeit in Deutschland der 'rot-grünen' Regierung in die Schuhe zu schieben", während in dem Beitrag über Österreich die politische Verantwortung von Kanzler Wolfgang Schüssel (V) mit keinem Wort erwähnt worden sei.

Die durch die Media-Watch-Daten gestützte Konsequenz "derartig einseitiger Berichterstattung" sei, "dass die Seher einfach abschalten oder sich auf der Suche nach objektiver Information anderen Medien zuwenden". (APA)

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  • Der offener Brief an von Norbert Darabos an ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner zum Download.

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