Die Bronx der Oper: Raucherkammerl war heillos überfüllt

11. Februar 2005, 16:55
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Nicorettes gingen weg wie warme Semmeln - Rauchersecurity suchte auch am WC nach Sündern

Wien - Die Terrasse war am Opernball so etwas wie die Bronx der Oper. Sie bot all jenen Desperados Zuflucht, die lieber mit erhobenem Haupt ihrem Laster frönen als sich mit einem Nikotin-Inhalator öffentlich selbst zu entwürdigen. Es kam Schulcharakter auf mit dem rauen Charme von "Raucherkammerln", in denen sich die "Coolen" der Schule versammeln, die sowieso nicht vorhaben, besonders alt zu werden - geschweige denn, einmal den Opernball zu besuchen.

Die beiden Rauchsalons im vierten Stock und vor allem die Terrasse beim Schwind-Foyer waren heillos überfüllt und je länger der Abend dauerte, umso mehr erhitzte das Rauchverbot die Gemüter. In den Raucherstübchen zeigte kaum jemand Verständnis für die Anordnung des Hausherrn.

"Hätte ich gewusst, dass ich in so ein Separee muss, ..."

Wer sie nach dem Befinden der Raucher befragte, bekam mitunter deftige Worte zu hören. "Ein Skandal!", wetterte ein aufgebrachter deutscher Architekt, "hätte ich gewusst, dass ich in so ein Separee muss, hätte ich wahrscheinlich keine Karte gekauft!" Den Promi-Anwalt Manfred Ainedter regte vor allem der Gestank auf, dem er sich aussetzen musste, um ungestraft zur Zigarette greifen zu können: "Heast, da hat's a Luft wie in einem Raucherkammerl in San Francisco!"

Heute verbietet man das Rauchen, morgen das Trinken

Eine Dame, die in ihrer Handtasche nicht nur ein Packerl "Tschick", sondern sogar einen kleinen Aschenbecher mit sich führte, regte sich ebenfalls fürchterlich auf: "Es ist einfach so, dass man sich das nicht bieten lässt! Heute verbietet man das Rauchen, morgen das Trinken!"

Rauchersecurity suchte auch am WC nach Sündern

Um geheimes Rauchen zu verhindern gabs einen eigenen "Security-Trupp". Zwei Gruppen von jeweils 20 Männern hatten unter anderem dafür zu sorgen, "Sünder" aufzuspüren und zur Besonnenheit zu mahnen. "Wir gehen auch aufs WC und sehen nach", erzählte einer. MUnd man hat Leute mit dem Glimmstängel am WC erwischt!

Wer es nicht riskieren wollte, solcherart zurecht gewiesen zu werden, hatte die Möglichkeit, in der Nähe der Garderobe einen so genannten Nicorette-Inhalator auszuprobieren. Die Nicorettes gingen weg wie warme Semmeln. Zu Mitternacht hatte man bereits 1.000 Inhalatoren angebracht. (APA)

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