Intercell-Börsegang: Frischzellenkur für Wiener Börse

17. Februar 2005, 10:38
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Am 14. Februar betritt das junge Wiener Biotechunternehmen das Börsenparkett. Erhoffte Geldspritze: 63 Millionen Euro

Wien - Die Wiener Börse AG macht ihr oft angekündigtes Vorhaben wahr und bringt neue Unternehmen auf den Markt. Das Minimalziel des neuen Börsenvorstands Michael Buhl, die Zahl der Börsengänge heuer im Vergleich zum Vorjahr zumindest zu verdoppeln (2004 kam ein einziges neues Unternehmen an die Börse, Anm.) wird demnach bereits in der dritten Februarwoche übererfüllt sein.

Am 14. Februar wird das Initial Public Offering (IPO) des auf die Erforschung von Impfstoffen spezialisierten Wiener Biotech-Unternehmen Intercell AG bekannt gegeben. Eine Woche später geht der Reigen mit dem Börsengang der auf Gewerbeimmobilien-Investments spezialisierten Eco Business Immobilien AG weiter. Sie wird sich eine Kapitalerhöhung von 25 Mio. Euro an der Wiener Börse holen.

Intercell erhofft IPO-Erlös von 63 Mio. Euro

Die Intercell AG, 1997 aus einem Spin-off des Campus Wien Biocenter hervorgegangen, will bis zu zehn Millionen junge Aktien platzieren und erwartet einen Nettoerlös von rund 63 Mio. Euro. Begleitet wird das IPO von den Investmentbanken Goldman Sachs und Erste Bank.

Derzeit gehört Intercell zu 94 Prozent Venture-Capital-Gesellschaften und zu sechs Prozent ihren Gründern und Mitarbeitern, und beschäftigt rund 150 Mitarbeiter am Hauptsitz Wien, in Schottland und den USA. Nach der Kapitalspritze über die Börse (der Erlös wird in Forschung, Entwicklung und Vermarktung gesteckt) werden die Altaktionäre rund 70 Prozent halten.

Enzephalitis-Vorbeugungsimpfung für dritte klinische Testphase zugelassen

Die Intercell-Wissenschafter erforschen neue therapeutische und prophylaktische Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten. Größte Hoffnung setzen sie auf ihre gut vermarkteten Arbeiten an einer Impfung gegen die Viruserkrankung Hepatits C und die in Asien weit verbreitete japanische Enzephalitis. Allerdings: Auf dem Markt haben die Wiener derzeit noch kein einziges Produkt; am weitesten fortgeschritten ist in dieser Hinsicht die Arbeit an der Enzephalitis-Vorbeugungsimpfung, die laut Finanzvorstand Werner Lanthaler bereits für die dritte (und letzte) klinischen Testphase zugelassen ist. Zum Börsengang will der Finanzchef übrigens ebenso "keinen Kommentar" abgeben wie die Börse-Chefs.

In den vergangenen Jahren haben sich die Wiener sehr herzeigbare strategische Unterstützung geholt: Ihre Kooperationspartner sind internationale Branchenriesen wie Sanofi-Aventis und Merck.

Kreative Geldsuche Eine gewisse Begabung haben die Firmengründer rund um den Wissenschafter Alexander von Gabain (Ex-Ordinarius des Instituts für Mikrobiologie an der Uni Wien) auch beim Aufstellen von Geld an den Tag gelegt: drei Kapitalerhöhungsrunden liegen bereits hinter ihnen, insgesamt haben die Wiener Forscher bis jetzt hundert Millionen Euro zusammengesammelt. Davon waren zu Jahresende 2004 noch rund 31 Millionen Euro übrig.

Der finanzielle Erfolg des jungen Unternehmens ist derzeit noch überschaubar: Die gesammelten Verluste seit 1997 betragen 66,5 Mio. Euro (siehe Grafik). Mit einem ersten Gewinn rechnen die Analysten laut ihrer jüngstem Untersuchung erst für 2007: Da soll Intercell bei einem Umsatz von 44 Mio. Euro einen Nettogewinn von 2,9 Mio. Euro erreichen. Und: "In den Jahren nach dem ersten Produkt-Launch erwarten wir schnelles Wachstum, die relativ breite Produktpalette . . . sollte langfristig zweistellige Wachstumsraten sichern", im Firmenreport. Dem gegenüber stünden aber "interne und externe Risiken". (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe 4.2.2005)

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    IPO am 14. Februar

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    grafik: der standard
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