Uni Lyon feuert "Front National"-Professor

4. Februar 2005, 20:46
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Bruno Gollnisch, Nummer 2 der französischen Rechtsextremisten im EU-Parlament, relativierte Opferzahlen des Nationalsozialismus

Paris - Der französische Europaparlamentarier Bruno Gollnisch, Nummer zwei in der rechtsextremen "Front National" (FN), ist am Donnerstag von seinem Lehrstuhl für Japanisch an der Universität Jean Moulin in Lyon auf Beschluss von Bildungsminister Francois Fillon (UMP) suspendiert worden. Es handelt sich um eine provisorische Maßnahme von der Höchstdauer eines Jahres, betonte das Bildungsministerium. Gegen Gollnisch wird gegenwärtig in Frankreich wegen Leugnung des Holocaust gerichtlich ermittelt.

Bei einer Pressekonferenz in Lyon hatte Gollnisch im November des Vorjahres zu den KZ-Gaskammern gesagt: "Über die Anzahl der Toten könnten die Historiker diskutieren." Was die Existenz der Gaskammern anlangt, meinte der Rechtsextremist: "Es liegt an den Historikern, sich festzulegen."

Bezüglich möglicher Sanktionen hatte Gollnisch hinzugefügt: "Ich weiß nicht, ob ich von meinem Lehrstuhl für Japanisch verjagt oder sogar ins Gefängnis gesteckt werde für diesen Satz, aber ich nehme ihn auf mich. Kein seriöser Historiker übernimmt vollkommen die Schlussfolgerungen des Prozesses von Nürnberg."

Infolge dieser Äußerungen war Gollnisch vom Rektor seiner Universität suspendiert worden. Mitte Jänner war die Suspendierung allerdings auf Beschluss des obersten Verwaltungsgerichts (Staatsrat), das der FN-Politiker angerufen hatte, aufgehoben worden. Vergangenen Mittwoch hatte der Europaparlamentarier seinen Unterricht unter heftigen Protesten wieder aufgenommen. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des FN-Politikers und Demonstranten gegen Gollnisch.

Der Generalstaatsanwalt von Lyon, Jean-Olivier Viout, hatte Ende November des Vorjahres gegen Gollnisch ein Gerichtsverfahren wegen "Infragestellung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit" in die Wege geleitet. Das strafrechtliche Verfahren wurde von Justizminister Dominique Perben (UMP) beantragt.

Eine strafrechtliche Verfolgung wurde auch gegen den FN-Regionalratsabgeordneten Albert Rosset und den FN-Lokalpolitiker Georges Theil beantragt, die sich in zwei TV-Interviews am 11. und 14. Oktober 2004 ebenfalls in der Frage zum Holocaust geäußert hatten.

Der "Front National" ist schon mehrmals wegen der Leugnung des Holocaust ins Zentrum heftiger Debatten geraten. Der bekannteste verbale "Ausrutscher" war jener des FN-Präsidenten Jean-Marie Le Pen, der im September 1987 erklärt hatte, dass die Gaskammern ein "Detail" des Zweiten Weltkriegs gewesen seien. Diese Erklärung hatte er im Dezember 1997 in München wiederholt und war dafür von einem Amtsgericht wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Im Februar 2001 hatte der damalige FN-Regionalratsabgeordnete Georges Theil in Grenoble erklärt, die Existenz der Gaskammern sei "aus physischen und chemischen Gründen unmöglich" gewesen. (APA)

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    Revisionist Bruno Gollnisch: "Kein seriöser Historiker übernimmt vollkommen die Schlussfolgerungen des Prozesses von Nürnberg."

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