General Electric sagt dem Iran Goodbye

9. Februar 2005, 14:11
11 Postings

Wegen "derzeit schwieriger politischer Beziehungen Iran/USA" werden keine neuen Aufträge angenommen

New York - Die General Electric Co (GE) wird keine neuen Aufträge aus dem Iran mehr annehmen, teilte der Mischkonzern am Mittwoch mit. GE begründete die Maßnahme mit den "derzeit schwierigen politischen Beziehungen der USA zum Iran." GE-Sprecher Gary Sheffer wollte sich nicht näher dazu äußern.

Unter bestehendem Recht ist es Unternehmen untersagt, mit Ländern Geschäfte zu machen, die unter Verdacht stehen, den Terrorismus zu fördern. Washington brach 1980 die Beziehungen zu Teheran ab, nachdem diplomatische Bemühungen gescheitert waren, die bei der Besetzung der US-Botschaft in Teheran von militanten iranischen Studenten genommenen amerikanischen Geiseln zu befreien.

"Neocons" machen Druck

Mit ein Grund für den Rückzug von GE dürfte der Druck seitens neokonservativer Kreise um Präsident Bush und etlicher US-Senatoren auf das Unternehmen gewesen sein, den Iran wirtschaftlich zu isolieren. So hat der demokratische Senator Frank Lautenberg aus New Jersey GE vorgeworfen, "schmutziges Geld" von Ländern anzunehmen, die den internationalen Terrorismus fördern. Außerdem befürchtet man in Unternehmenskreisen zunehmend, Bush werde sein robustes Wahlmandat dazu nutzen, um gegen den Iran militärisch vorzugehen.

Im Dezember hatte Teheran sein Urananreicherungsprogramm unter internationalem Druck suspendiert, um möglichen Sanktionen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auszuweichen. Das Regime will innerhalb von drei Monaten entscheiden, ob die Aussetzung fortgesetzt wird. Ebenfalls im Dezember warnte Vizepräsident Dick Cheney vor einem möglichen israelischen Angriff auf nukleare Einrichtungen im Iran. Er sagte, der Iran stehe unter den Krisenherden der Welt an oberster Stelle.

Zuvor hatte Bush die Anwendung von Gewalt gegen Iran nicht ausgeschlossen. GE ist das zweite Vorzeigeunternehmen, das sein Geschäfte mit dem Iran stoppt, obwohl die dort tätigen GE-Tochtergesellschaften von dem Gesetz nicht betroffen sind. Vorige Woche gab die Halliburton Company die Einstellung ihrer Geschäfte mit dem Iran bekannt.

Liste der in "Schurkenstaaten" tätigen US-Unternehmen wird angefertigt

Eine ähnliche Entscheidung traf im vergangenen Jahr der Mineralölkonzern ConocoPhillips, nachdem der New Yorker Pensionsfonds für Feuerwehrleute und Polizisten damit gedroht hatte, seine mehr als 33 Mio. GE-Aktien mit einem Gesamtwert von 1,1 Mrd. Dollar (842 Mio. Euro) abzustoßen. Die Börsenaufsichtsbehörde SEC (Security & Exchange Commission) muss im Auftrag des Kongresses eine Liste aller an der Börse notierten US-Unternehmen anfertigen, die in so genannten "Schurkenstaaten" tätig sind. Dazu gehören neben dem Iran Syrien, Libyen, Kuba, Sudan und Nordkorea.

GE erzielte im Iran voriges Jahr etwa 270 Mio. Dollar Umsatz. Das sind weniger als ein Prozent des Gesamtumsatzes von 152,4 Mrd. Dollar. Eine kanadische GE-Tochter arbeitet im Iran an hydroelektrischen Projekten und eine italienische beliefert das Land mit Ausrüstungen für Öl- und Erdgaseinrichtungen. Eine französische GE-Tochter vertreibt im Iran medizinische Diagnostikgeräte. Die hydroelektrischen Projekte werden erst Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. GE-Sprecher Sheffer sagte jedoch, GE werde seine vertraglichen Verpflichtungen einhalten, danach aber keine neuen Aufträge annehmen. (APA)

Share if you care.