Abbas sieht "historische Chance" für Frieden in Nahost

1. Februar 2005, 18:19
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Palästinensischer Präsident formuliert vier Kernforderungen für Treffen mit Sharon

Moskau - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sieht eine "historische Chance" für einen Frieden im Nahen Osten. Von "entscheidender Bedeutung" sei dabei die Rolle Russlands, sagte Abbas am Montag bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Abbas will bei seinem erwarteten Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon die Freilassung von 8.000 Gefangenen erreichen. Dies sei eine von insgesamt vier Kernforderungen an Israel, verlautete am Montag aus Kreisen von Palästinenservertretern in Gaza. Abbas wolle zudem eine Verpflichtung Israels zu einer beiderseitigen Waffenruhe.

Die israelischen Truppen sollten sich außerdem auf Positionen zurückziehen, auf denen sie vor dem Beginn des Palästinenseraufstandes im September 2000 standen, hieß es weiter. Zudem erwartet Abbas volle Zusammenarbeit zwischen Israel und den Palästinensern bei dem von Sharon angekündigten Abzug aus dem Gaza-Streifen. Dieser soll im Sommer beginnen und nach früheren israelischen Ankündigungen einseitig - ohne Abstimmung mit der Palästinenserführung - erfolgen. Ein Treffen zwischen Sharon und Abbas ist nach Berichten beider Seiten für die zweite Februarwoche vereinbart. Abbas will die militanten Palästinensergruppen vorher zu einer Waffenruhe verpflichten.

Russlands Unterstützung auf bilateraler Basis und im so genannten Nahost-Quartett sei für die Erlangung eines "allgemeinen und stabilen Friedens" im Nahen Osten wichtig, erklärte der palästinensische Präsident in Moskau. Putin äußerte die Hoffnung, dass es Abbas gelingen werde, Maßnahmen zur Verbesserung der Beziehungen zu Israel und zur Ankurbelung der palästinensischen Wirtschaft auch durchzusetzen. "Wir sind bereit, mit Ihnen und der internationalen Gemeinschaft in aktiver Weise zusammenzuarbeiten, um diese Fragen zu regeln", sagte Putin.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte den Palästinensern eine "aktive" Unterstützung zu. Abbas sei "der anerkannte Anführer des palästinensischen Volkes". Abbas selbst sagte, die Palästinenser setzten große Hoffnungen auf die Führung in Moskau. Deshalb habe er darauf geachtet, bei seiner ersten Auslandsreise zunächst nach Russland zu reisen und die EU oder die USA erst später zu besuchen.

Abbas war am Sonntag in Moskau angekommen. Zuvor hatte der am 9. Jänner gewählte palästinensische Präsident in Ägypten und Jordanien Station gemacht. Russland gehört neben der UNO, der EU und den USA zum so genannten Nahost-Quartett. (APA/dpa)

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