Ohne Schrecken auf den Schrocken

    5. Juli 1997, 12:34
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    Die Höhen südlich von Hinterstoder sind nicht nur ein bekanntes und beliebtes Skigebiet, sie haben auch dem Bergwanderer viel zu bieten.

    Vor allem eine grandiose Aussicht auf Großen Priel und Spitzmauer, die zu den formschönsten Erhebungen der Ostalpen zählen. Und seit vor mehr als zehn Jahren der Schrockengrat vom Alpenverein mit eisernen Stiften und Stahlseilen versichert wurde, ist der Anstieg zum Schrocken nicht mehr schwierig, sondern traumhaft schön und durchaus nicht anstrengend, so daß sich der Übergang zum Hochmölbling geradezu anbietet.

    Der Hochmölbling, ebenfalls ein Aussichtsberg schlechthin, gestattet nicht nur _einen Blick über das Tote Gebirge hinweg zum Dachstein, zu dessen Panorama u.a. die Niederen Tauern und das Sengsengebirge gehören. Da der Berg steil nach Osten abbricht, genießt man auch einen eindrucksvollen Tiefblick ins Totental und auf die Großwiese.

    Mitunter wird eine Runde empfohlen, auf der man zur Hochmölblinghütte absteigt und über die Türkenkarscharte nach Hinterstoder zurückkehrt, doch ist dies eine sehr lange, anstrengende Tour. Man kehrt besser auf der Anstiegsroute wieder zurück, weil man dann genügend Zeit hat, die traumhafte Aussicht und die herrliche Landschaft zu genießen.

    Einsamkeit wird man in diesem Bereich allerdings vergeblich suchen. Schrocken und Hochmölbling sind gut besuchte Gipfel, zumal man sich durch die Bergbahnen den Aufstieg aus dem Tal erspart.

    Der Schrockengrat erfordert Trittsicherheit, der versicherte Abschnitt ist relativ kurz. Und weil man sich ständig auf einem Grat oder Kamm bewegt, braucht man gutes Wetter.

    Es gibt auch einen „normalen“ Weg auf den Schrocken, der allerdings unmarkiert, doch leicht zu finden ist. Man steigt beim Schneeofen in das Obere Rottal ab und erreicht über einen steilen Hang die Elmscharte und in einem kurzen Übergang den Gipfel des Schrocken. Der luftigere Weg über den Schrockengrat ist jedoch vorzuziehen – schon der Aussicht wegen.

    Ausgangspunkt der Bergwanderung ist die Bergstation der Hößbahnen. Bis zu den Huttererböden könnte man auch auf einer Mautstraße fahren und braucht dann nur die zweite Teilstrecke zu benützen. Die Höhenkote in der Karte (1353 m) ist falsch, man ist auf der Höß schon über 1800 m hoch.

    Es folgt ein sanfter Anstieg zum Schafkögel, der in einen zum Schrockengrat überleitenden Kamm ausläuft. Nach einem kurzen, leichten Abstieg geht es den Grat hinauf. Im letzten Drittel stößt man auf die Versicherungen, die den Weg zum Gipfel des Schrocken erleichtern. Gehzeit ab Bergstation bis Schafkögel ½ Stunde und noch eine Stunde bis zum Schrocken.

    Nun folgt auf einem schmalen Kamm der Übergang zur Kreuzspitze und weiter zum höchsten Punkt des Hochmölblings. Gehzeit ab Schrocken unter einer Stunde.

    Für den Rückweg wählt man am besten wieder die Anstiegsroute, man braucht bis zur Bergstation der Hößbahnen etwa 1½ Stunden.

    Wer es gern länger hätte, kann noch bis zu den Huttererböden oder sogar bis ins Tal absteigen.

    Gesamtgehzeit ab bzw. bis Bergstation rund vier Stunden, Höhendifferenz etwa 500 m. Kein Stützpunkt auf der Strecke.

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 98 (Liezen)

    Von Bernd Orfer
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