Neue und alte Steine an der Grenze

    4. Juli 1998, 12:29
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    Der nördlichste Zipfel des Mühlviertels hat sich in letzter Zeit zu einem beachtlichen Wandergebiet gemausert.

    Im Böhmerwald entstanden eine Reihe neuer, gut beschilderter Routen; und da der Grenzweg zwischen Tschechien und Österreich bzw. zwischen Bayern und Tschechien nun begangen werden darf, steht der einst beliebten Überschreitung des Nordwaldkammes von der Dreieckmark zum Dreisesselberg nichts mehr entgegen.

    Es ist ein Weg, auf dem man ständig mit Steinen konfrontiert wird. Sei es mit natürlich durch die Wollsackverwitterung geformten mächtigen Felsgruppen wie den Teufelsschüsseln, dem Bayerischen Plöckenstein, dem Dreisesselfelsen und dem Steinernen Meer, sei es mit künstlich geschaffenen wie der neue Grenzstein auf der Dreieckmark, wo die Länder Österreich, Deutschland und Tschechien zusammenstoßen.

    Das Dreiländereck war einst auf dem Dreisesselberg und wurde im Jahr 1765 an die heutige Stelle verlegt. Zur Zeit des Eisernen Vorhangs gab es auf der Dreieckmark drei Grenzsteine, weil man sich offensichtlich nicht auf einen einigen konnte. Nun steht dort ein formschöner, kleiner Obelisk, den man – einer Inschrift zufolge – 1992 errichtet hat. Der neue Grenzstein aber trägt die Jahreszahl 1993.

    Die Teufelsschüsseln können auf einer Treppe leicht erstiegen werden und bieten eine phantastische Aussicht auf das obere Mühlviertel und über das Donautal und Alpenvorland hinweg bis zu den Hochalpen. Leicht zugänglich ist auch der Dreisesselfelsen, der einem einen umfassenden Rundblick beschert, so daß man gar nicht den Hochstein, den höchsten Punkt des Dreisesselbergs zu "erklimmen" braucht.

    Ganz besonders beeindruckt das Steinerne Meer, eine mächtige Blockhalde, die vom Kamm des Böhmerwaldes ins Tal reicht. Die Rundwanderung beginnt in Oberschwarzenberg. Man folgt dem Wegweiser "Teufelsschüssel" und steigt gemächlich in etwa einer halben Stunde zu der malerischen Felsgruppe auf. Nun geht es auf dem Schwärzersteig – benannt nach den einstigen Schmugglern – bis zum Grenzübergang und dann parallel zur österreichisch-bayerischen Grenze zur Dreieckmark. Ab Teufelsschüsseln eine Dreiviertelstunde.

    Der weitere Weg führt direkt den Grenzkamm Bayern-Tschechien entlang. Man passiert den oberen Rand des Steinernen Meeres und den Bayerischen Plöckensteig, steigt dann in einen Sattel ab und gelangt nach kurzem Gegenanstieg zum Dreisesselfelsen und dem daneben liegenden Gasthaus. Ab Dreieckmark eine Stunde.

    Zum Hochstein braucht man etwa eine Viertelstunde. Der Rückweg erfolgt auf dem blau markierten Nordwaldkammweg, der allerdings nirgends den Nordwaldkamm berührt. Bei der Rechtskehre der Straße unterhalb des Gasthauses zweigt man links ab. Der Weg führt zum Steinernen Meer – das man quert – und weiter zum Grenzübergang. Gehzeit ab Gasthaus Dreisessel 1 ¼ Stunden.

    Direkt an der Grenze teilt sich die blau markierte Route. Man wählt den rechten Ast – Wegweiser "Parkplatz Oberschwarzenberg" – und erreicht in leichtem Gefälle eine schmale Straße, auf der man nach Oberschwarzenberg zurückkehrt. Ab Grenzübergang etwa eine Stunde.

    Gesamtgehzeit 4 ¾ bis 5 Stunden, Höhendifferenz 600 m. Gasthaus neben dem Dreisesselfelsen.

    Für den Grenzweg braucht man einen Paß oder einen Personalausweis. Freytag-Berndt WK 262 (Böhmerwald, Mühlviertel, Moldaustausee), Maßstab 1 : 50.000.

    Von Bernd Orfer
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