Der Diamant im Ramsaugebirge

    5. September 1998, 12:19
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    Der Hoch Kalmberg ist ein ganz besonderes Ziel

    Mit dem Namen Ramsaugebirge fangen die wenigsten etwas an, obgleich der Höhenzug südlich von Bad Goisern jedem ins Auge sticht, der das Tal der Traun aufwärts fährt. Die herausragende Erhebung der Gipfelkette ist der Hoch Kalmberg; und diesen sollte man einmal als Ziel einer Bergwanderung wählen, denn er zählt zu den ganz besonders reizvollen Aussichtspunkten im Salzkammergut.

    An klaren Tagen, wie sie im Herbst sehr häufig sind, schweift der Blick bis zu den Hohen Tauern (mit Großglockner und Wiesbachhorn), über das Tote Gebirge bis zum Großen Priel, zu den Niederen Tauern, zu den Erhebungen der Osterhorngruppe, zum Grimming, zum Stoderkamm, zum Höllengebirge, Traunstein, Dachstein und zum Gosaukamm. Geradezu faszinierend ist der Blick in das Tal der Traun und in das Becken von Gosau mit dem Paß Gschütt.

    Auf den Hängen grünt und blüht es, daß einem das Herz im Leibe lacht. Die Blütensymphonie beginnt im Frühjahr mit den Schneerosen, kulminiert im Sommer mit Almrausch, Enzian, Türkenbund und klingt im Herbst mit Schwalbenwurzenzian, Eisenhut und Bergastern aus.

    Allerdings muß man sich dieses Gipfelglück mit viel Schweiß erkaufen, denn schon auf dem Normalanstieg der Trockentannalm und Goiserer Hütte hat man rund 1200 Höhenmeter zu bewältigen. Das Nonplusultra aber ist der Steig über die Tiefe Scharte, Brenntenkogel und Niederen Kalmberg zum höchsten Punkt. Er setzt jedoch gute Kondition, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus. Der Weg führt sehr steil bergauf, und die Überschreitung von der Tiefen Scharte zum Niederen Kalmberg erfolgt auf einer schmalen, zum Teil felsigen Schneide - eine Stelle ist mit einem Seil gesichert -, die alpinen Charakter hat. Bei Nässe oder gar Schnee muß man von diesem Weg dringend abraten, dann ist er sehr rutschig und daher gefährlich.

    Durch mehrere Gegenanstiege erhöht sich die zu bewältigende Höhendifferenz auf mehr als 1400 Meter. Wer den Schwierigkeiten gewachsen ist, wird diese aussichts- und abwechslungsreiche Route nicht so schnell vergessen.

    Es zahlt sich auch aus, auf der Normalroute nur bis zur Hütte aufzusteigen. Die Aussicht von der Terrasse ist zwar nicht so umfassend wie vom Gipfel, aber immer noch besonders schön.

    Ausgangspunkt der respektablen Tour ist der Parkplatz nahe dem Ortsteil Steinach von Bad Goisern. Man geht ein ganz kurzes Stück auf der Forststraße Richtung Trockentannalm und hält sich dann links auf die rote Markierung 888. Anfangs gemütlich, später sehr steil, gelangt man in etwa 2½ Stunden in die Tiefe Scharte. Nun folgt die Überschreitung über Brenntenkogel zum Niederen Kalmberg, wo die Schwierigkeiten zu Ende sind. Gehzeit ab Tiefer Scharte 1½ Stunden. In einer Dreiviertelstunde ist man durch einen Sattel auf dem Hoch Kalmberg.

    Gemütlich geht es in einer knappen Dreiviertelstunde auf der Normalroute - rot, Nummer 885 - zur Goiserer Hütte. Auf der roten Markierung 800 steigt man ab. Man passiert die Dichterinquelle und nahe der Unteren Schartenalm die Unterstandshütte "Wallmann-Poidl-Rast bei der Branntweinfeichten". Vorbei an der Talstation einer Materialseilbahn kommt man zur Trockentannalm und marschiert auf der Forststraße zum Ausgangspunkt. Ab Hütte zwei Stunden.

    Gesamtgehzeit rund 7½ Stunden, Höhendifferenz über 1400 m. Goiserer Hütte von Mitte Mai bis Ende Oktober bewirtschaftet.

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 95 (St. Wolfgang) und 96 (Bad Ischl)

    © DER STANDARD, 5./6. September 1998

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    Bernd Orfer
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