Auf "heiligen" Wegen über dem Mondsee

    31. Oktober 1998, 12:20
    posten

    Kulmspitze und Radstattrücken sind einen Besuch wert

    Über den in der Kulmspitze (1095 m) gipfelnden Höhenrücken nördlich des Mondsees verlaufen uralte Routen, die zum Teil als Kreuzwege fungieren. Sie alle führen zu dem im Jahre 748 gegründeten Benediktinerkloster Mondsee, dem ältesten Kloster in Oberösterreich. Wer dort marschierte, sollte - wie man heute noch lesen kann - den Blick nach innen wenden.

    Alle scheinen sich nicht daran gehalten zu haben, denn am Aufstieg zur Kulmspitze kommt man an der Konradskapelle vorbei, die an der Stelle errichtet worden ist, wo 1145 der Mondseer Abt Chunrad Bassinoter durch Mörderhand ums Leben kam. Der Täter verscharrte den Leichnam des Mönches, worauf eine Quelle entsprang, die den Körper wieder ans Tageslicht schwemmte. Angeblich verübte den Mord ein Bauer, der dem Abt zürnte, weil dieser immer durch seine Felder ritt. Eine fromme Legende um die Christianisierung eines alten, heidnischen Quellheiligtums.

    Am Waldrand auf dem Höllenstein markiert eine 1902 errichtete Kapelle die Stelle eines Wunders. An der Aufschrift "O wunder-tähdiges Gnadenbild" stoßen sich nur jene, die vergessen, daß mit dem Herzen verfaßte Inschriften nicht der Rechtschreibnorm unterliegen. Die Kapelle im Radstattsattel verdankt angeblich ihr Entstehen einem Eduard Eder, was aber nicht stimmen kann, denn er wurde "am 22. Juni 1886 beim Umhacken einer Buche von derselben gestreift, infolgedessen er seinen Geist aufgab".

    Zwar ist die Kulmspitze bewaldet, aber auf der Route kommt man von einem Aussichtsplatz zum anderen. Vom Höllenstein hat man einen eindrucksvollen Blick zum Schafberg und zum Höllengebirge. Vom Hang der Kulmspitze sieht man weit ins Alpenvorland hinein. Den Höhepunkt bildet der Punkt 1032 im Radstattrücken - in den Karten mit 1034 m kotiert -, als "Schöne Aussicht" beschildert. Von dort reicht die Sicht u.a. zum Hochkönig, zum Hohen Göll, Watzmann, Untersberg, Gaisberg, Schober und Drachenwand. Zudem überblickt man den Großteil des malerischen Mondsees. Allein der "Schönen Aussicht" wegen zahlt sich diese interessante Runde aus, die noch weiteres zu bieten hat:

    Die Konradskirche bei Oberwang ist für ihre moderne Glasmalerei bekannt. Den Schlüssel bekommt man im nahegelegenen Bauernhof. Auf der Route liegt auch der Gasthof "Fideler Bauer", dessen Besitzer als Vorlage für die gleichnamige Operette von Leo Fall diente. Leider sind die Öffnungszeiten für Wanderer nicht ideal. Ausgangspunkt der Wanderung ist Oberwang. Auf der Straße geht es zur Konradskirche, gleich dahinter zweigt die rote Markierung nach rechts ab. Entlang der Kreuzwegstationen kommt man in einer halben Stunde zur Konradskapelle mit der Quelle. Man wandert auf den Höllenstein und hält sich bald nach dem wundertätigen Gnadenbild nach rechts.

    Es folgt ein steiler Anstieg und eine flache Passage, bei der nächsten Abzweigung hält man sich links und erreicht die Kulmspitze. Gehzeit ab Oberwang 2 Stunden.

    Dann folgt man dem nach Nordwesten ziehenden Radstattrücken, nach zwei Gegensteigungen ist man bei der "Schönen Aussicht", bald darauf bei der Radstattkapelle. Gehzeit ab Kulmspitze eine Stunde.

    Nun hält man sich rechts und folgt dem rot markierten alten Mondseeweg ins Tal, das man bei der Höllangerstube, einer Jagdhütte erreicht. Die Forstraße führt nach Riedschwandt, wo man sich wieder rechts hält und auf Asphalt über den "Fidelen Bauer" zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Gehzeit ab Radstattkapelle 1½ Stunden.

    Gesamtgehzeit 4½ Stunden, Höhendifferenz etwa 650 m. Kein Stützpunkt auf der Route. Kompaß-Wanderkarte 18 (Nördliches Salzkammergut) Maßstab: 1:50.000

    © DER STANDARD, 31. Oktober/ 1. November 1998

    Automatically processed by COMLAB NewsBench

    Bernd Orfer
    Share if you care.