Der Stoanaweg von Kollerschlag

    17. April 1999, 12:17
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    Die seltsamen Formen der Steine, wie sie die Wollsackverwitterung in der Böhmischen Masse im Laufe der Jahrtausende geschaffen hat, regen die Phantasie des Menschen an.

    In Kollerschlag an der Grenze des Mühlviertels zu Bayern gibt es einen Stoanaweg, der von einem sonderbar geformten Steinblock zum nächsten führt.

    Der Lochstein beispielsweise verdankt seine Entstehung dem Teufel, der nicht imstande war, die Leute vom Kirchgang abzuhalten und seinen Zorn an dem Felsblock ausließ. Hüllstein soll eine heidnische Kultstätte gewesen sein, die Höhle des Pfaffenhauses diente angeblich Geistlichen als Unterschlupf in den Hussitenkriegen.

    Dem Druckerfranzl, einem Räuber und Haderlumpen, verdankt der Druckerfranzl-stein den Namen. Er hatte um das Jahr 1700 eine kleine Höhle in dem Granitfels als Versteck vor den Häschern gewählt und logierte dort eine geraume Zeit. Sehr bequem wohnte er sicher nicht, denn man kann sich in dem Felsloch kaum umdrehen. Der Arm des Gesetzes erwischte ihn trotzdem, um 1754 beendete er sein Leben auf der Richtstätte in Passau. Nach Lengau erreicht man die Wolfsgrube, in die man ein Kitz warf, dessen Geschrei den Wolf anlockte, der dann in die Falle ging. Bei Kollerschlag zeigt sich das Mühlviertel von seiner sanften, lieblichen Seite. Die Kuppen erreichen bei weitem nicht die Höhen des Böhmerwaldes, auch dominiert der Forst nicht so stark wie in den nördlicheren Regionen. Man wandert über viele freie Flächen, die einen schönen Rundblick gewähren, vorbei an stattlichen Höfen und durch kleine Weiler. Der Stoanaweg ist sicherlich keine aufregende, aber sehr anregende Runde. Es fehlen lange und steile Anstiege, aber durch das ständige Bergauf und Bergab läppern sich die Höhenmeter zusammen.

    Nicht alle sehenswerten Steine liegen direkt am Weg, zu einigen Felsformationen kommt man auf einem kurzen Abstecher.

    In vielen Karten ist der Stoanaweg nicht komplett eingezeichnet, in Kollerschlag aber erhält man in den Gasthäusern eine gute Wegskizze.

    Vom kleinen Zentrum Kollerschlags steigt man in einen Sattel ab, wandert ein kurzes Stück auf der Straße und erreicht dann über Lengau und die Wolfsgrube den Druckerfranzlstein. Gehzeit eine Stunde. Weiter geht es zum Pfaffenhaus und zur 1958 erbauten Lourdeskapelle, und dann zum Küh- und zum Bründlstein und nach Meisingerödt. Innerödt - mit Abstecher zum Lochstein - und Holzmühle sind die nächsten Stationen, ehe man zum Hohen Stein aufsteigt. Gehzeit ab Druckerfranzlstein etwa 2 1/2 Stunden. Ab dem Pedebauer beginnt ein besonders aussichtsreicher Abschnitt der Route, die über Albenödt und Felswies zurück nach Kollerschlag verläuft. Gehzeit ab Hohem Stein 1 1/2 Stunden.

    Gesamtgehzeit 5 Stunden, Höhenunterschied rund 400 m, kein Stützpunkt auf der Runde;

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 14 (Rohrbach in Oberösterreich).

    Von Bernd Orfer
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