Kalkgipfel im Urgestein

    12. Juli 1997, 11:54
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    Es gibt viele Bergwanderer und -steiger, die eine Vorliebe für die Niederen Tauern haben, wobei jener Bereich, wo Kalk und Silikatgestein zusammenstoßen, einen besonderen Reiz ausübt

    Nicht nur wegen der Verschiedenartigkeit der Flora, sondern auch wegen des eigenartigen Kontrasts zwischen den dunklen Urgesteinsgipfeln und den hellen Kalkbergen. Von der Ursprungalm zum Preuneggsattel wandert man direkt an der geologischen Grenze. Die Kalkspitzen in den Schladminger Tauern sind daher ein besonders lohnendes Ziel.

    Die 2459 m hohe Steirische Kalkspitze gilt als der bekanntere Gipfel, die wenig höhere Lungauer Kalkspitze (2471 m) ist etwas leichter zu besteigen, wobei keiner der beiden Berge besondere Probleme birgt. Für halbwegs ausdauernde Bergsteiger ist die Bezwingung beider Erhebungen in einem Zug keine Schwierigkeit, da man den 1604 m hohen Ausgangspunkt Ursprungalm von Rohrmoos und Schladming bzw. Pichl mit dem Auto erreicht.

    Der Ausblick von beiden Höhen ist überaus lohnend, man sieht einerseits die Urgesteinsgipfel der Niederen Tauern – die vor allem in diesem Gebiet gar nicht niedrig sind – und andererseits den mächtigen Kalkstock des Dachsteins. Von der Lungauer Kalkspitze hat man zudem _einen beeindruckenden Tiefblick ins Salzburgische, von der Steirischen Kalkspitze ins Ennstal. Da man auf dieser Tour auch den malerischen Giglachsee berührt, ergibt das eine sehr abwechslungsreiche Bergwanderung.

    Man bewegt sich auch auf historischen Routen. Über den knapp mehr als 2000 m hohen Znachsattel führte einst ein wichtiger Paßweg vom Enns_tal in den Lungau, der zeitweise an Bedeutung sogar den Radstädter Tauern übertraf, da er auf Salzburger Seite die wichtigen Bergbaugebiete der Zinkwand tangiert.

    Ausgangspunkt der Wanderung ist die Ursprungalm, wo es auch ein Gasthaus gibt. Auf der roten Markierung steigt man gemütlich in etwa einer Dreiviertelstunde auf den Preuneggsattel an. Dort hält man sich rechts, etwas steiler führt der Weg in den Znachsattel, wo man – wieder nach rechts – auf der roten Markierung durch teilweise schrofiges, aber unschwieriges Gelände in vielen Kehren die Akarscharte erreicht. Gehzeit ab Preuneggsattel eine Stunde.

    Direkt nach Norden geht es auf die Steirische Kalkspitze, wobei man einen kurzen, felsigen Abschnitt zu passieren hat. In etwa einer halben Stunde ist man auf dem schmalen Gipfel. Für den Rückweg in die Akarscharte – in älteren Karten Ahkarscharte geschrieben – braucht man eine knappe halbe Stunde. Eine Dreiviertelstunde (hin und zurück) kostet der unschwierige Abstecher auf die Lungauer Kalkspitze, die man unbedingt besteigen sollte.

    Der Rückweg erfolgt auf der Anstiegsroute. Vom Preuneggsattel zahlt sich der „Umweg“ zur Ignaz-Mattis-Hütte aus, da man am Oberen und Unteren Giglachsee vorbeikommt. Von der Akarscharte zur Hütte braucht man eine Stunde. Dann zurück zum Preuneggsattel und hinunter zur Ursprungalm. Gehzeit ab Ignaz-Mattis-Hütte eine Stunde.

    Gesamtgehzeit – mit beiden Kalkspitzen – 5½ bis 6 Stunden; Höhendifferenz 900 m. Giglachseehütte beim Preuneggsattel und Ignaz-Mattis-Hütte als Stützpunkte.

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 127 (Schladming)

    Von Bernd Orfer
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