Die Blumenwelt des Trenchtling

    2. August 1997, 13:43
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    Ein kleines Paradies, das das Prädikat „Besonders wertvoll“ verdient

    Mit dem Namen Trenchtling fangen außerhalb der Obersteiermark die wenigsten etwas an, und auch in der alpinen Literatur findet man nicht sehr viel über den Kalkstock, der dem Hochschwab im Süden vorgelagert ist. Und trotzdem sollte man den Berg und seinen höchsten Punkt, den Hochturm (2081 m), einmal besteigen, denn es erwartet einen eine Tour der Superlative.

    Gipfel und Edelweiß

    Da ist einmal die prächtige Aussicht. Man überblickt das Hochschwabmassiv in seiner vollen Ausdehnung vom Polster bis zu den Aflenzer Staritzen, im Blickfeld liegen weiters Hochkar, Ötscher, Schneeberg, Rax, Veitsch, Wechsel, Sonnwendstein, die Fischbacher Alpen, Schöckl, Gleinalpe, Zirbitzkogel, der östliche Teil der Niederen Tauern, Dachstein, ein Teil des Toten Gebirges und das Sengsengebirge. Sogar ein Stück des Erzberges ist zu sehen.

    Glanzstück des Trenchtlings aber ist seine Blumenwelt, vor allem die des rund 1800 m hoch gelegenen Edelweißbodens, der in alten Karten noch als Zirbenboden aufscheint, obgleich es dort keine einzige Zirbe, dafür aber umso mehr Edelweiß gibt. Zu Tausenden bedeckt die sonst seltene Pflanze die idyllische Matte, im Frühjahr aber könnte man sie genauso gut auch Enzian- oder Solonotschboden nennen.

    Natürlich wird dort sehr aufgepaßt, daß niemand auch nur eine Blüte abreißt, damit die einmalige Pracht erhalten bleibt. Angeblich blühen auf dem Trechtling nicht weniger als 143 – zum Teil sehr selte- ne – Blumenarten, und es hat durchaus den Anschein, als wäre diese Zahl noch zu tief gegriffen. Latschen und Lärchen in der Kampfzone allerdings machen den Eindruck, als bekäme ihnen die Umweltbelastung nicht besonders gut.

    Gelegentlich wird eine vom Grünen See bei Tragöß ausgehende Rundtour über das Lamingeck empfohlen, die aber schon wegen der langen Gehzeit von rund neun Stunden und dem Höhenunterschied von 1400m beste Kondition und viel Ausdauer verlangt. Steigt man vom 1154m hoch gelegenen Hiaslegg an, das man von Bruck an der Mur oder von Trofaiach mit dem Auto erreichen kann, hat man wesentlich mehr Zeit, die Schönheiten dieses Berges zu genießen. Und daß man die Route im Auf- und Abstieg begehen muß, stellt dabei durchaus keinen Nachteil dar. Außerdem ist der Weg vom Hiaslegg zum Gipfel wesentlich lohnender als der Anstieg vom Präbichl, bei dem man auf den Edelweißboden verzichten muß.

    Das nur an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 9 bis 22 Uhr geöffnete Gasthaus Hiaslegg bildet den Ausgangspunkt für die Tour. Von dort steigt man auf der roten Markierung (Nummer 873) gemütlich über den Blarenkogel an. Kurz vor der Baumgrenze ist noch ein steiles Stück zu überwinden, dann aber geht es fast gleichmäßig über den Roß- und den berühmten Edelweißboden zur Höhe.

    Tour der Superlative

    Nach kurzem Abstieg erreicht man einen Rücken, von dem man im felsigen Terrain etwas absteigt, um sich dann rechts zu halten und erreicht auf unmarkiertem, aber nicht zu verfehlenden Steig den Gipfel mit dem im Jahr 1971 errichteten Gipfelkreuz. Gehzeit ab Hiaslegg rund 2¾ bis 3 Stunden.

    Der Abstieg erfolgt auf der Anstiegsroute, man braucht für den Rückweg etwa 2 Stunden. Gesamtgehzeit 4¾ bis 5 Stunden, Höhenunterschied rund 1000 m. Kein Stützpunkt auf dem Weg. Trittsicherheit erforderlich.

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 101 (Eisenerz)

    von Bernd Orfer
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