Die Geheimnisse der Zinkwand

    23. August 1997, 13:44
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    Ein Erlebnis für konditionsstarke „Pfadfinder“

    Touristische Motive waren es sicherlich nicht, welche unsere Ahnen in die Berge lockten; vielmehr suchten sie nach neuen Weideflächen und vor allem nach Bodenschätzen. Sieht man vom Goldbergbau in den Hohen Tauern ab, wurden in der alpinen Literatur die Spuren des früheren Bergbaus mit ein paar Bemerkungen abgetan oder ignoriert. Um die Relikte kümmert man sich erst seit relativ kurzer Zeit, umso erfreulicher sind die Ergebnisse der Bemühungen, die Spuren zu sichern und damit auch die Zeugnisse eines wesentlichen Teils unserer Vergangenheit.

    Für den versierten Bergsteiger wird ein Besuch der hochgelegenen Minen zu einem Besuch in die Vergangenheit, zu einem besonderen Erlebnis. Daher der Tip: die Zinkwand in den Schladminger Tauern.

    Gesicherte Nachrichten über den Bergbau in diesem Gebiet gibt es seit dem 13. Jahrhundert, wahrscheinlich wurde schon wesentlich früher geschürft. Die Annalen vermerken im 13. und 14. Jahrhundert ein „Silberfieber“, nach 1763 eine „Kobaltzeit“ und in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine „Nickelzeit“. Seit etwa neunzig Jahren sind die Gruben stillgelegt.

    Vor etwa einem Jahrzehnt hat die ÖAV-Sektion Schladming mit Unterstützung des Rotary Clubs den Stollenlehrpfad Zinkwand-Vöttern angelegt, der einen Teil des Stollensystems in dem wie ein Nudelsieb durchlöcherten Berg verhältnismäßig einfach zugänglich macht und den unterirdischen Gang vom Lungau ins Steirische ermöglicht.

    Die landschaftlich großartige Tour ist allerdings erfahrenen Bergsteigern mit „Pfadfinderqualitäten“ vorbehalten, denn die Anstiege sind lang und unmarkiert, der Zugang zum Durchgangsstollen ist ein versicherter Klettersteig. Man muß trittsicher und schwindelfrei sein, für den Stollen braucht man eine Taschenlampe plus zweifacher Reserve. Der Stolleneingang auf Salzburger Seite ist als Biwakschachtel ausgebaut.

    Man fährt mit dem Auto oder dem Tälerbus von Mariapfarr über Weißpriach zu der Abzweigung im Znachtal, wo sich ein Parkplatz befindet. Auf dem rot markierten Güterweg Richtung Znachsattel wandert man bis zur Greimeisteralm. Gehzeit 1 ¼ Stunden.

    Knapp nach einer scharfen Linkskurve oberhalb einer Hütte zweigt nach rechts der unmarkierte Pfad zur Zinkwand ab. Auf einem Stein befindet sich ein kleiner roter Pfeil, auf einem anderen die stark verwaschene, schwarze Inschrift „Zinken Kahr“. Unmarkiert erreicht man einen flachen Talboden, läßt ein Gedenkkreuz zur linken Hand liegen und hält sich bei der nächsten Weggabel links. Auf dem deutlich erkennbaren alten Knappenweg – hie und da Steinmandeln – gelangt man in Kehren in das Knappenkar und zur Ruine des einstigen Knappenhauses (daneben Wasserstelle). Gehzeit ab Abzweigung 2 Stunden.

    Neben dem Lawinenschutzgang gelangt man an den Fuß der Zinkwand und zum Beginn des versicherten Steiges. Recht luftig geht es zur Knappenschmiede, wo man ein Stück in den Stollen hineingeht und sich gleich rechts hält. In einer Kehre gelangt man wieder in die Wand hinaus und zur Knappenstube. Ab Knappenhaus eine halbe Stunde.

    Nun beginnt der Weg durch den Berg im Himmelsköniginstollen. Man passiert ein Klo, dann die Silberkluft und erreicht nach etwa 200 Metern – bei einer Gabelung links halten – den Stollenausgang auf der steirischen Seite.

    Der Rückweg erfolgt auf der Anstiegsroute, man braucht bis zum Parkplatz etwa 2 ½ Stunden. Gesamtgehzeit rund 6 ½ Stunden, Höhendifferenz 1.100 m; kein Stützpunkt auf der Strecke.

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 127 (Schladming) und 157 (Tamsweg). Karte unbedingt mitnehmen.

    von Bernd Orfer
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