Schlüsselszenen eines Dalíriums

12. Mai 2005, 10:49
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Hinterland der Costa Brava: Eine einzigartige Landschaft, die in den Bildern Salvador Dalís immer wieder auftaucht

Im Hinterland der spanischen Costa Brava kann man eine einzigartige Landschaft entdecken, die in den Bildern Salvador Dalís immer wieder auftaucht. Richard Wagner, ein schwarzer Cadillac und Fladenbrote leuchten als Streiflichter in einem surrealen Lebenswerk. Eine Spurensuche von Alexandra Föderl-Schmid.


Wer aus dem Fenster schaut, glaubt ein Bild zu betrachten. Die kleinen Inseln in der Bucht von Cadaqués finden sich wieder in vielen Werken von Salvador Dalí. Er hat die Felsformationen im Meer vor seinem Haus in Portlligat in seine surrealen Bilder integriert. Auch die bizarren Formen der Steine am nahe gelegenen Cap Creus, die an eine Mondlandschaft erinnern, tauchen häufig auf. Man kann die Persönlichkeit und das Werk des surrealistischen Künstlers Dalí viel besser verstehen, wenn man die drei Hauptzentren seines Lebens kennt: sein Haus in Portlligat, die Burg von Púbol, und das Museum von Figueres. Die drei Orte ergeben miteinander verbunden ein magisches Dreieck. Es ist eine Reise in die Empordà, wie diese Region Kataloniens zwischen Mittelmeer und französischer Grenze heißt, mit einer einzigartigen Landschaft, die einen auf kaum zu erklärende Weise in den Bann zieht - magisch eben.

Detektivarbeit

Wer zu Dalís wichtigster Lebens- und Schaffensstätte will, muss einiges auf sich nehmen. Wenn man die A7 verlässt, wird die Strecke immer kurviger, je mehr man sich Cadaqués annähert. Danach gilt es einen Hügel zu überwinden, ehe die Bucht von Portlligat auftaucht. Aber der Blick ist einzigartig. Das strahlend weiße Haus Dalís am kleinen Hafen ist verschachtelt und verwinkelt, weil es immer wieder vergrößert wurde. Von Weitem sind zwei riesige Köpfe und einzelne Eier auf Dächern und Mauern erkennbar. Im Atelier stehen noch Farben und im ganzen Haus sind Sammelstücke des Paares verteilt. Auch den Garten hat Dalí nach seinen Vorstellungen gestaltet.

In scharfem Kontrast zur mediterranen Atmosphäre im und um das Haus von Portlligat steht die rund 80 Kilometer entfernt liegende Burg von Púbol, die Dalí seiner Frau und Muse Gala 1971 schenkte. Die Burg in der Nähe von Girona ist nicht einfach zu finden, erst recht nicht nach Verlassen der Landstraße C66. Aber Einheimische weisen gerne den Weg. Es scheint so, als ob auch nach dem Tod Galas, für die im Kellergeschoß der Burg ein Mausoleom gebaut wurde, deren Wunsch nach Abgeschiedenheit respektiert werden sollte. Das Gebäude wirkt wie eine Trutzburg inmitten einer sanft gewellten Landschaft. Im Inneren verschwindet der Eindruck der Nüchternheit jedoch rasch, da Dalí hier Hand angelegt und etwa Tische mit Straußenbeinen aufgestellt hat.

Theatralischer Garten

Die stärksten Akzente hat der Künstler jedoch im Garten gesetzt. So staksen hochbeinige Elefanten durch das Gebüsch und den Brunnen hat Dalí mit farbigen Büsten seines Lieblingskomponisten Richard Wagner geschmückt. Das bunte Gemisch zeugt von der Begeisterung Dalís für Kitsch und Groteskes, in seinem Museum in Figueres lebte er sie so richtig aus.

Es lohnt sich selbst bei einem Kurztrip nach Barcelona nach Figueres zu kommen, das in knapp eineinhalbstündiger Fahrt erreicht werden kann. Hier kann jeder Besucher in eine bunte Farben-und Formenwelt eintauchen und wird selbst bei mehrfachen Besuchen wieder neue Details entdecken.

Den Hof des Gebäudes nutzte der begnadete Selbstdarsteller als Bühne. Hier stellte der Künstler seinen schwarzen Cadillac auf und über allem schwebt eine dralle Frauenfigur, die Königin Esther. An den Wänden hängen fluoreszierende Waschbecken, Schaufensterpuppen, Monster aus Stein und Tierskelette.

Auch die Fassade frappiert noch beim zweiten und dritten Blick: Denn sie ist mit Hunderten dreizackigen Fladenbroten geschmückt, während die riesigen Eier auf dem Dach weithin sichtbar sind und zu Markenzeichen von Dalí und Figueres gleichermaßen wurden. Diesen beiden Grundnahrungsmitteln aus der Empordà wollte der Künstler mit seinen Mitteln ein Denkmal setzen. (DER STANDARD, Printausgabe vom 29./30.1.2004)

  • Das Museum von Figueres, ein Ort im magischen Dalí-Dreieck.
    foto: spanischer tourismusverband

    Das Museum von Figueres, ein Ort im magischen Dalí-Dreieck.

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