Das Tal der verwunschenen Schlösser

    15. November 1997, 13:21
    posten

    Viel Romantik und Geschichte beherschen das enge Tal zwischen Kraig und Frauenstein

    Im Lexikon liest man über die Kraiger Schlösser recht prosaisch „Drei romanisch-gotische Burgruinen (Vorburg, Hoch- und Niederkraig), 1091 bis 1564 im Besitz der Herzoglichen „Truchsesse von Kraig“. Der trockene Text der Wissenschafter läßt nicht erahnen, daß eine Runde zu den einstigen, das enge Tal beherrschenden Burgen ein Weg in die Romantik wird: Man wandert durch ein grabenähnliches Tal mit mehreren fast verwachsenen Teichen, vorbei an einem alten Bergwerkstollen; und darüber thronen die Reste der verfallenen Schlösser, als wären sie einem Sagen- oder Märchenbuch entsprungen. Mitten im Wald trifft man auf ein imposantes mittelalterliches Aquädukt, welches die Wasserleitung zwischen Hoch- und Niederkraig trug.

    Mit der Romantik hatten es die Truchsesse, die Vorsteher der Hofhaltung der im nahen St. Veit an der Glan residierenden Herzöge von Kärnten, nicht. Sie positionierten ihre als Festung ausgebauten Wohnsitze an einer alten, bis in die Römerzeit zurückreichenden Straße und beschützten gleichzeitig die nahen Bergwerke, in denen Eisen, Kupfer und Silber abgebaut wurden. Als die Herzöge St. Veit an der Glan verließen, begann auch der Niedergang der Kraiger Schlösser, die heute den Eindruck vermitteln, als wären sie verwunschen und müßten durch eine gute Fee wieder erweckt werden.

    In den freistehenden Turm der Ruine Niederkraig baute man 1730 eine Nepomukkapelle, die versperrt ist. Bewohnt ist das aus dem 12. Jh. stammende einstige Wasserschloß Frauenstein, das nicht besichtigt werden kann, aber ideal in die Landschaft paßt. Und in einem kleinen Abstecher ist auch die Ruine Freiberg zu besuchen, die ehemalige Residenz Herzog Bernhards von Kärnten.

    Die Wege zu den Kraiger Schlössern sind schlecht markiert, die Zugänge zu Nieder- und Hochkraig gar nicht gekennzeichnet. Die Route läßt sich aber trotzdem leicht finden, auch die Aufstiege zu Nieder- und Hochkraig. Die Ruinen dürfen wegen der Einsturzgefahr nicht betreten werden, von Plätzen daneben bietet sich aber eine herrliche Aussicht.

    Man beginnt die Wanderung in Kraig. Auf dem Kraiger-Schlösser-Weg gelangt man an den Ortsrand und vorbei am Modell einer Windmühle in die Einöd, wo eine blaue Markierung beginnt. An Teichen entlang geht es hinauf zum Sattel mit dem Aquädukt. Gehzeit eine Stunde.

    Nach links zweigt ein Fahrweg zu einem kleinen Anwesen ab, dort beginnt der steile Anstieg zur Ruine Niederkraig, die man nach etwa einer Viertelstunden erreicht.

    Zurück in den Sattel und weiter auf der blauen Markierung, nach einer Wiese – links ein Teich – zweigt im spitzen Winkel ein Fahrweg ab, der später in einen Steig übergeht (spärlich rote Marken), auf dem man Hochkraig erreicht. Ab Niederkraig eine Dreiviertelstunde. Wieder zurück zur blauen Markierung und auf dieser zum Schloß Frauenstein. Ab Hochkraig eine Dreiviertelstunde.

    Unmarkiert erreicht man in einem Bogen das Gehöft Grassen – das Wirtshaus gibt es nicht mehr –vom linken Hofeck geht’s weiter in den Graben, wo man sich rechts hält (Wegweiser), den Kulm umrundet und über Seebichl und die Einöd nach Kraig zurückkehrt (etwa 1½ Stunden ab Frauenstein). Gesamtgehzeit 3½ Stunden. Höhendifferenz rund 350 m. Gaststätte in Seebichl.

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 186 (St. Veit an der Glan)

    Von Bernd Orfer
    • Artikelbild
    Share if you care.