Die letzte "Bastion"

    19. September 1998, 14:13
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    Derart exponiert liegende Berge sind naturgemäß hervorragende Aussichtspunkte, der Helm macht da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, er bietet eine überragende Fernsicht.

    Der 2433 m hohe Helm im Zwickel zwischen Drau- und Sextental ist nicht zu übersehen. Wie eine Pyramide ragt der Gipfel über den Höhenzug empor, "geziert" von einer einsturzgefährdeten Hütte, die aus dem Tal den Eindruck eines eisernen Hutes erweckt.

    Man überblickt den Alpenhauptkamm vom Großglockner bis zur Wildspitze – mit Muntanitz, Großvenediger, Großem Geiger, Dreiherrenspitze, Tribulaun, Zuckerhüttl und Similaun; weiters die Rieserferngruppe mit dem Hohen Gall. Im Süden bauen sich die bizarren Spitzen der Sextener Dolomiten mit Haunold, Birkenkofel, Zwölfer- und Paternkofel auf. Und wenn man ein Stück auf dem Grenzkamm weiter wandert, kommen auch die berühmten Drei Zinnen ins Gesichtsfeld. Nicht zuletzt ist der imposante Tiefblick ins Puster- und ins Sextental anzuführen.

    In ihrem westlichsten Teil bestehen die Karnischen Alpen aus Silikatgestein, das einen interessanten Kontrast zu den weißen Wänden der Dolomiten bildet. Der Helm ist sozusagen die letzte "Bastion" des bei Arnoldstein beginnenden Gebirgszugs; ein strategisch wichtiger Punkt auch, der im Ersten Weltkrieg umkämpft war.

    Im Gipfelbereich macht die österreichisch-italienische Grenze mehrere Ecken, der höchste Punkt mit der Hütte gehört zu Italien. Man sieht es dieser Grenze an, daß sie von Siegern festgelegt wurde, welche die militärischen Vorteile zu wahren wußten.

    Nun ist's auf dem Helm und in dessen Umgebung sehr friedlich, wenn auch nicht gerade einsam, was bei der Schönheit und leichten Erreichbarkeit des Berges nicht gerade wundert. Da einen seit EU und Schengen auch die Grenze nicht mehr zu kümmern braucht, kann man seine ganze Aufmerksamkeit der herrlichen Landschaft und der überaus reichen Pflanzen- und Blumenwelt widmen, die teilweise schon südlichen Charakter hat.

    Die Anstiege aus dem Tal sind lang und steil, aber aus den Südtiroler Gemeinden Sexten und Vierschach führen zwei Seilbahnen bis in eine Höhe von über zweitausend Metern, die einem den schweißtreibenden Weg aus den Niederungen ersparen. Die Grenzwanderung zum Helm und zur Silianer Hütte knapp unter der Hochgruben verlangt daher keine besondere Kondition und Ausdauer, lediglich der kurze Abschnitt zwischen dem Rauchegg und dem Helm ist etwas beschwerlich.

    Man fährt mit der Seilbahn von Vierschach oder Sexten bis zum Helm-Restaurant und wandert dann auf dem rot markierten Hüttensteig (Nummer 20) zum Grenzkamm, den man beim Rauchegg erreicht. Es folgt ein steilerer Anstieg zum Gipfel des Helm. Gehzeit knapp 1½ Stunden. Nun geht es direkt an der Grenze über leicht gewelltes Terrain, dann folgt eine kurze Steigung zu der auf österreichischem Territorium gelegenen Silianer Hütte. Gehzeit ab Helm eine Dreiviertelstunde. Der nahe gelegene Gipfel der Hochgruben ist in etwa einer Viertelstunde zu erreichen.

    Für den Rückweg wählt man am besten den breiten Karnischen Höhenweg 403 (rot markiert), der über die Hahnspielhütte (Rif. Gallo Cedrone) wieder zum Ausgangspunkt bei der Bergstation der Seilbahnen zurückführt. Gehzeit ab Silianer Hütte 1½ Stunden.

    Gesamtgehzeit 3¾-4 Stunden, Höhendifferenz ca. 500 m.

    Silianer Hütte und Hahnspielhütte als Stützpunkte.

    Freytag & Berndt WKS 3 (Pustertal/Bruneck), Maßstab 1:50.000

    Von Bernd Orfer
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