Grasser aber freut sich

11. Februar 2005, 17:06
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Zwei Dinge fallen in der ausufernden Causa Grasser auf ... - von Samo Kobenter

Zwei Dinge fallen in der ausufernden Causa Grasser auf, wobei eines mit Abstrichen als lächerlich empfunden werden könnte und das andere ohne Abstriche jedem wachen Bürger die Grausbirnen aufblühen lassen muss.

Erstens: Putzig ist, wie verlässlich der Herr Finanzminister sein neurolinguistisch programmiertes Krisensprech abruft, wenn es wieder einmal brenzlig wird - wobei einmal untersucht werden könnte, was daran linguistisch ist.

Jedenfalls freut sich Grasser immer sehr, wenn doch gegen ihn ermittelt wird, oder er findet alles in Butter, wenn seine Behörde in seinem Steuerakt auf seine Anweisung alles in Butter findet. Oder, er kann sich nicht vorstellen, warum die Steuereinnahmen doch nicht für ein Nulldefizit reichen: Haben wir gelacht!

Zweitens, weniger witzig: Eineinhalb Jahre vermied es die Staatsanwaltschaft, gegen Grasser in der Homepageaffäre vorzugehen. Die Fakten reichten nicht aus, befand die dem Justizministerium unterstellte Behörde. In seltener Vehemenz trat die weisungsungebundene Gerichtsbarkeit dieser Ansicht entgegen und forderte die Anklagebehörde auf, tätig zu werden: Die Suppe sei sehr wohl dick genug, befand das Oberlandesgericht, und die Staatsanwaltschaft möge Grasser als Zeugen laden, aber flott. Darüber freut sich Grasser und wundert sich, warum es so lang gedauert hat, bis er als Betroffener "gefragt" wird.

Vielleicht lautet die neurolinguistisch deprogrammierte Antwort: weil bis jetzt die weisungsgebundene Anklagebehörde alle Löffel voll damit zu tun hatte, die Suppe für zu dünn zu befinden. Weil dieser Behörde Minister vorstanden und stehen, die einer der Koalitionsparteien angehören, die Grasser in die Regierung geholt haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2005)

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