Karl Aiginger wird neuer Wifo-Chef

4. Februar 2005, 11:07
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Formale Entscheidung fällt am Freitag - WKÖ-Präsident Leitl sichert Unabhängigkeit zu: "Brauchen keine Gefälligkeitsgutachten"

Wien - Der Vize-Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), Karl Aiginger (56), soll neuer Leiter dieser Einrichtung werden und damit dem Anfang Februar an die Donau-Universität Krems wechselnden Helmut Kramer nachfolgen.

Auf diese Empfehlung an den Wifo-Vorstand einigte sich die so genannte Wifo-Berufungskommission am Mittwoch nach ganztätigen Hearings, wie Wifo-Aufsichtsratschef Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl Mittwochabend vor Journalisten sagte.

Nach der formalen Bestellung durch den Wifo-Vorstand, der Freitagfrüh zusammentritt, soll Aiginger um 9 Uhr den Medien präsentiert werden. An diesem Pressegespräch soll auch sein Vorgänger Kramer teilnehmen, der ab kommender Woche neuer Rektor der Donau-Uni Krems ist.

"Überzeugende Präsentation"

Mit Aiginger, der beim Hearing "eine überzeugende Präsentation hingelegt" habe, sei "eine sehr gute Lösung gefunden" worden, sagte Leitl am Mittwochabend. Damit sei für die Zukunft des Wifo eine gute Basis gelegt.

"Wir werden das Institut weiter vor Einflussnahmen aller Art schützen", versicherte der WKÖ-Chef: "Ich lasse dem Wifo die mutige, nicht nur bequeme Stimme." Vorgaben an das Wifo gebe es von ihm nicht: "Wir brauchen keine Gefälligkeitsgutachten."

Der Industrieökonom Aiginger ist seit 34 Jahren am Wifo tätig. Seit 1992 ist er Professor an der Uni Linz und hält unter anderem auch Vorlesungen an der Uni Wien sowie an TU und WU Wien.

Seine Forschungsschwerpunkte sind Industriepolitik und Industrieökonomie, Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Ländern und Regionen sowie Wirtschaftspolitik und ökonomische Strategien.

19 Bewerber

Für den Job des Wifo-Chefs hatte es 19 Bewerbungen gegeben. Seit Mitte Dezember standen fünf Kandidaten auf der Short-List, die sich am Mittwoch dem abschließenden Hearing stellten.

Neben Aiginger waren dies vier weitere renommierte Wissenschafter: die beiden Auslandsösterreicher, der Tübinger Uni-Professor Wilhelm Kohler und der Berner Uni-Professor Klaus Neusser sowie der Chefökonom der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) Peter Mooslechner und der bei der OECD in Paris tätige Volkswirt Andreas Wörgötter, der bis Ende der 90er Jahre im Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien war.

Vier Hauptfinanciers

Das Wifo wird von vier Hauptfinanciers getragen, dem Finanzministerium, der OeNB, der Wirtschaftskammer (WKÖ) sowie der Arbeiterkammer (AK). Die Geldgeber werden repräsentiert durch Sektionschef Thomas Wieser, OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher, Wifo-Präsident Leitl und AK-Chef Herbert Tumpel als Vizepräsident.

In der Hearing-Jury beratend tätig war neben dem scheidenden Wifo-Chef Kramer auch der Wifo-Volkswirt Markus Marterbauer als Vertreter der Wifo-Belegschaft. (APA)

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    Karl Aiginger will das Wifo das "weiter vor Einflussnahmen aller Art schützen".

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