Sitzen machen

20. Februar 2005, 23:05
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Die Wiener Galerie Westlicht zeigt Fotos von Christian Coigny, die Vitra in den 80er- und 90er-Jahren zu einer der erfolgreichsten Werbekampagnen in der Möbelbranche verhalfen

DER STANDARD: Die 122 Bilder der Schau "Personalities on Vitra Chairs" tingeln als erfolgreiche Ausstellung um die Welt. Wie schafft es eine Werbekampagne in Galerien und Museen?
Hanns-Peter Cohn: Eigentlich haben wir das Projekt nicht als Kult gesehen. Die Geschichte erregte erst mit der Zeit und vor allem durch die außergewöhnlichen Personalities Aufsehen. Zu einer Art Kult ist das Ganze also erst allmählich geworden.

Worauf blickt der Betrachter mehr, auf die Möbel oder auf die Personen?

Cohn: Ich tippe auf die Personen, und das war auch so gewollt. Wenn man die Fotos betrachtet, wird klar, dass man von einer ganzen Reihe der Möbel so gut wie nichts erkennen kann.

Wie wurde die Auswahl der Promis, von Arnulf Rainer bis Grace Jones, getroffen?
Cohn: Anfangs wurde gezielt ausgesucht, mit der Zeit aber entwickelte sich eine richtige Eigendynamik, was natürlich viel spannender war. Zum Teil haben die sich das sogar untereinander ausgemacht.
Wie waren die Reaktionen bei den diversen Anfragen?
Cohn: Die waren meist recht spaßig, lediglich bei der Auswahl der Sessel wurde debattiert. Wir haben uns auch verpflichtet, dass wir die Bilder nur ein Mal, allerhöchstens zwei Mal bringen. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand abgesagt hätte.

Wie knüpft man an eine solch erfolgreiche Kampagne an?
Cohn: Es ist wie so oft mit guten, außergewöhnlichen Geschichten. Man jagt dann diesem Erfolg hinterher, ohne diesen jemals wieder zu erreichen. Diese Klasse haben wir leider nicht mehr geschafft. Für mich persönlich ist es eine große Herausforderung, in nächster Zeit etwas zu finden - ich hab da auch schon ein paar Vorstellungen -, das wir wieder über eine so lange Zeit bringen können. Das liegt aber alles noch im Konzeptbereich.

Worin besteht die Schwierigkeit, Möbel erfolgreich zu bewerben?
Cohn: Wir sind heute derart reizüberflutet und werden von der Werbung nahezu erschlagen. Wir interessieren uns für etwas, das Interesse weckt und Spaß bei der Betrachtung macht. Die Aussage des Produkts soll erst ein zweiter Schritt sein. Uns geht es um Feinsinniges, Intelligentes. Wir wollen keinen Holzhammer verwenden. Es macht auch nichts, wenn diese Geschichte erst beim zweiten oder dritten Mal Hinsehen auffällt.

Welches Foto aus der Kampagne ist Ihr Lieblingsbild?
Cohn: Nun, ich bin ja in der Beatles-Ära groß geworden, und das Foto von Ringo Starr gefällt mir schon besonders gut. (Interview: Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/28/01/2005)

Vitra-CEO Hanns-Peter Cohn erzählt von den Porträts

Hanns-Peter Cohn ist seit 1. Jänner CEO von Vitra. Rolf Fehlbaum, unter dessen Ägide sich das Unternehmen seit 1977 zu einem führenden Möbelhersteller entwickelt hat, wird als aktiver Präsident des Verwaltungsrates weiterhin dem Unternehmen dienen. Der neue CEO Hanns-Peter Cohn ist mit Vitra bestens vertraut. Bevor er 1999 zum Vorstandsvorsitzenden von Leica Camera berufen wurde, war er während
14 Jahren als Geschäftsführer der Vitra GmbH tätig.
Galerie Westlicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien. Die Ausstellung ist bis 21. Februar 2005 zu sehen.
Infos: westlicht.com

  • Billy Wilder und Jack Lemmon samt Sessel "Figura" von Mario Bellini.
    foto: christian coigny

    Billy Wilder und Jack Lemmon samt Sessel "Figura" von Mario Bellini.

  • Audrey Hepburn auf dem "AC 1" von Antonio Citterio.
    foto: christian coigny

    Audrey Hepburn auf dem "AC 1" von Antonio Citterio.

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