Autoimmunerkrankung mögliche Ursache chronischer Darmentzündungen

2. Februar 2005, 14:16
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Versuch: Körpereigenes Abwehrsystem griff die Darmschleimhaut der Labormäuse an

Braunschweig - Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) haben in der Untersuchung von chronischen Darmentzündungen eine wesentliche Entdeckung gemacht: Die mögliche Ursache von chronischen Darmentzündungen wie etwa Morbus Crohn ist - so legen ihre Ergebnisse nahe - eine Autoimmunerkrankung, also eine Fehlsteuerung von Abwehrzellen des Immunsystems. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Gut".

"Man hat schon mehrfach vermutet, dass sich chronische Darmentzündungen entwickeln, wenn sich Immun-Abwehrzellen irrtümlich gegen das eigene Körpergewebe wenden und die Darmschleimhaut angreifen", meint Jan Buer. Bisher sei ein solcher Vorgang aber noch nicht an einem konkreten Beispiel gezeigt worden, führt der Experte aus. Dem Braunschweiger Forscherteam ist dies aber nun im Mäuseversuch gelungen. Die Wissenschaftler kreuzten eine Zuchtlinie von Mäusen, deren Darm-Zellen ein besonderes Proteinmolekül auf ihrer Oberfläche tragen, ein so genanntes Antigen, mit einem Mäuse-Stamm, der gegen genau dieses Antigen aggressive Immunzellen produziert. Das Ergebnis sind Mäuse, deren Abwehrsystem die eigene Darmschleimhaut angreift. Eine Darmentzündung ist die Folge.

Instabiler Gleichgewichtszustand

Gleichzeitig mit der fehlgeleiteten Immunreaktion löst das Nebeneinander von Antigen und dagegen gerichteten Abwehrzellen auch Mechanismen der Immuntoleranz aus: Entzündungshemmende Botenstoffe werden freigesetzt, Abwehrreaktionen gedämpft und abgebremst. Warum diese beiden gegenläufigen Prozesse gleichzeitig in Gang gesetzt werden und sich wechselseitig ins Gehege kommen, ist noch nicht vollständig verstanden, berichtet die GBF. Die Folge davon ist ein prekärer und instabiler Gleichgewichtszustand, wie die GBF-Forscherin Dunja Bruder meint. Der Zustand sei ähnlich wie der von menschlichen Patienten, die unter einer der vielen chronischen Formen der Darmentzündung leiden, vergleicht Co-Autorin Astrid Westendorf die Situation.

Zu den Erscheinungsbildern der Krankheit gehören Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die sich in regelmäßig wiederkehrenden schmerzhaften Darmkrämpfen, Durchfall und Darmblutungen äußern. Die Forscher hoffen, weitere Informationen über die Entstehung und auch über die Heilung dieser Erkrankungen zu erfahren. (pte)

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