UN-Vollversammlung gedenkt der Befreiung der NS-Vernichtungslager

26. Jänner 2005, 14:04
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Israels Außenminister: UNO-Gedenkfeier hat "historische Bedeutung" und ist "politischer Erfolg Israels" - 37 Staaten vertreten

New York - Eine Reihe von Mitgliedstaaten haben sich am Montag offensichtlich nicht oder nur mit wenigen Vertretern an der Sondersitzung der Vereinten Nationen (UNO) zum Gedenken an die Befreiung der NS-Vernichtungslager beteiligt. Der Sitzungssaal der UNO-Vollversammlung blieb während der mehrstündigen Veranstaltung halb leer.

UNO-Vertreter wiesen allerdings darauf hin, dass 150 der 191 Mitgliedstaaten sich zuvor ausdrücklich einer Resolution angeschlossen hatten, mit der die Sondersitzung auf die Tagesordnung gesetzt worden war. Dies sei im Vergleich zu anderen UNO- Sondersitzungen "durchaus eine hohe Zahl", sagte ein UNO-Sprecher. Auch viele arabische Staaten hätten die Einberufung der Gedenkveranstaltung ausdrücklich unterstützt.

Nur ein arabischer Staat

Allerdings war unter den 35 Rednern der Sondersitzung mit Jordanien nur ein arabischer Staat vertreten. Das UNO-Protokoll war zunächst nicht in der Lage darüber Auskunft zu geben, welche Staaten möglicherweise keinen ihrer Diplomaten zu der Gedenkveranstaltung entsandt hatten. "Wir führen keine Anwesenheitskontrolle", sagte ein UNO-Beamter. Auch bei anderen Sitzungen wirke der Saal der Vollversammlung oft halb leer, wenn die einzelnen teilnehmenden Delegationen nur wenige Mitglieder hätten.

Der deutsche Außenminister Fischer erinnerte vor der Vollversammlung laut Redetext an die "historisch-moralische" Verpflichtung Deutschlands, jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen. Das demokratische Deutschland habe die Lehren aus "dem absoluten moralischen Tiefpunkt" des Nationalsozialismus gezogen.

Shalom: "Erfolg Israels"

Israels Außenminister Silvan Shalom würdigte die Gedenkstunde als "historisches Ereignis von weltweiter Tragweite und politischen Erfolg Israels". UNO-Generalsekretär Annan erinnerte anschließend in einer Rede daran, dass die Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg als Antwort auf "das Böse des Nationalsozialismus" gegründet wurden.

Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel warnte vor einer Banalisierung der Erinnerung an die NS-Gräuel. Besonders in Filmen bestehe diese Gefahr, sagte er in einem Interview. Er habe weniger Angst vor dem Vergessen, weil die Tragödie des Holocaust die am besten dokumentierte der Geschichte sei.

Es ist das erste Mal, dass die Vereinten Nationen in dieser Form der Befreiung der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager gedenken. Anlass ist der 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau. Die UNO war 1945 als Reaktion auf die Weltkriege und den Holocaust gegründet worden. (APA)

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    UNO-Vollversammlung gedenkt zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erstmals mit Sondersitzung und Ausstellung

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