Die Hexe, die mit Steinen warf

    4. April 2006, 13:22
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    Bernsteins Geschichte ist geprägt vom Bergbau. Eine der Attraktionen ist das "Speckkammerl", eine kurze Klufthöhle.

    Die Geschichte von Bernstein mit dem höchstgelegenen Schloß des Burgenlandes ist vom Bergbau bestimmt. Im 12. Jh. schürfte man nach Eisen, später suchte man Schwefel, Kupfer, Silber und auch Gold. Anfang des 17. Jh. hatte der Bergbau seine größte Blüte, vor 200 Jahren stellte man ihn ein. Gesucht und gefunden wird rund um Bernstein Edelserpentin, den man zu Schmuck verarbeitet. Der Ort gilt als die einzige Fundstätte des Chrysolitserpentins, der an Farbe und Aussehen chinesischem Jade gleicht.

    In Bernstein kann man im Stollen ein höchst interessantes Felsenmuseum besichtigen, das Schloß wird in der Saison als Hotel geführt. Vor dem ersten Weltkrieg erschien in dem alten, um 1200 erbauten Gebäude eine „Weiße Frau“, von der sogar ein Foto existiert. Bernstein bietet auch viele Wandermöglichkeiten, die zu wenig Beachtung finden. Der 805 m hohe Kienberg, an dessen Hängen sich der wichtigste Serpentinsteinbruch befindet, erweist sich als echter Aussichtsberg. Beim Aufstieg erhascht man immer wieder einen Blick zum Geschriebenstein und ins mittlere Burgenland, vom höchsten Punkt bietet sich eine eindrucksvolle Sicht zum Schneeberg, zu Hochwechsel, Hutwisch und den oststeirischen Erhebungen mit dem Masenberg.

    Eine „Attraktion“ ist das Speckkammerl, eine kurze Klufthöhle in einer Felsformation, wie man sie eher im Waldviertler Granit erwarten würde. Dort soll eine Hexe gehaust haben, die mit Steinen nach Kindern warf, sie tötete und verspeiste. Sonntagskinder haben die Chance, die Schätze der Hexe zu bergen. Sie müssen nur einen Fingerknochen eines der ermordeten Kinder finden und damit das Speckkammerl aufsperren. In einem Abstecher kann man den Sauerbrunnen nahe der Straße von Stuben nach Rettenbach erreichen und das eisenhältige Wasser kosten.

    Die Runde beginnt in Bernstein. Vom Platz, wo die Bundesstraße einen scharfen Knick macht, steigt man in den Graben ab und folgt der grünen und orangenen Markierung über einen langen Rücken zum höchsten Punkt des Kienbergs. Gehzeit eine Stunde. Nun kommt ein etwas steiler Abstieg zur Straße, der man kurz nach links folgt. Dann zweigt, ebenfalls nach links, der Weg nach Stuben ab. Auf der blauen und Rotpunktmarkierung 1 – später nur auf Blau – geht es über den Hohenstein in einen engen Graben. Gehzeit ab Gipfel etwa eine Stunde.

    Wer zum Sauerbrunnen möchte, steigt bis Stuben ab und wandert auf der Straße zu der Mineralquelle. Hin und zurück braucht man etwa eine Dreiviertelstunde. Sonst wechselt man aus dem Graben auf die blau markierte Buchenwald-Forststraße. Man steigt bis zu einer Linkskehre auf, gleich nach dieser verläßt man die Straße nach rechts (dort ist die Markierung mangelhaft) und findet bald wieder die blauen Marken der Route. Ein Wegweiser und eine neue blaue Markierung führen zum Speckkammerl. Neben dem Felsen geht es kurz steil bergauf und dann gemütlich weiter nach Bernstein. Im letzten Teil genießt man einen schönen Blick auf Ort und Schloß Bernstein. Gehzeit ab Graben 1¼ Stunden. Gesamtgehzeit 3¼ bzw. 4 Stunden; Höhendifferenz rund 400 m. Kein Stützpunkt auf der Runde. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 137 (Oberwart).

    Von Bernd Orfer
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