Zu den seichten Lacken im Seewinkel

    20. März 1999, 15:55
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    Frühlingserwachen am Neusiedlersee

    In keiner österreichischen Region kündigt sich der Lenz früher an als im burgenländischen Seewinkel. Nicht nur die Pflanzenwelt erwacht hier sehr zeitig aus dem Winterschlaf, es treffen jetzt die ersten Zugvögel ein, welche teilweise an den seichten Lacken nur eine Zwischenstation einlegen, um dann nach Norden weiterzufliegen.

    Rund 250 Vogelarten schlagen am Neusiedlersee und an den Gewässern des Seewinkels ihr sommerliches Domizil auf. Was hoffentlich noch lange so bleiben wird, denn die ökologisch wichtigsten Gebiete sind in den Nationalpark eingegliedert und daher streng geschützt. Die Uferzonen dürfen nicht betreten werden, um die gefiederten Gäste nicht zu beunruhigen und die mitunter recht heiklen Pflanzen zu schonen. Wanderungen im Seewinkel sind im Frühjahr besonders attraktiv, weil die Sonne noch nicht ihre volle Kraft entfaltet. In der Hitze des Sommers wird die Tour recht schweißtreibend, obwohl praktisch kein Höhenunterschied zu bewältigen ist.

    Die Illmitzer Zicklacke trocknet zuweilen vollständig aus, wobei sich am Boden eine weiße Kruste aus Salz und Soda bildet. Das findet sich auch im Namen wieder, denn das ungarische "czik" bedeutet Salz. Etliche salzliebende Pflanzen und Insekten haben hier ihre westlichste Verbreitungsgrenze. Eine Augenweide sind im Frühjahr die verschiedenen Arten der Schwertlilie und einige Orchideenarten. Einige Vogelarten sind "Neulinge" in diesem Gebiet. Der häufig zu sehende Säbelschnäbler, sonst nur an den Meeresküsten anzutreffen, läßt sich erst seit dem Jahre 1813 im Seewinkel nachweisen.

    In der Saison bietet das Nationalparkhaus am Rande von Illmitz viele Informationen über den Neusiedlersee und die Region. Von einem Aussichtsturm hat man einen guten Überblick und sieht – sofern keine Dunstschicht über dem See schwebt – bis zu Schneeberg und Hochwechsel.

    Von Illmitz wandert man neben der Straße zum Seebad nach Westen und erreicht eine pußtaähnliche Landschaft mit einem Ziehbrunnen. Am Süd-Ende der Zicklacke hält man sich rechts und marschiert, am Fuchslos vorbei, zum Unteren und zum Oberen Stinkersee. Dann wendet sich die Route in landwirtschaftlich genutzte Gebiete, auf fast schnurgeradem Güterweg kehrt man nach Illmitz zurück. Die kleine Runde, bei der nur die Zicklacke berührt wird, zweigt etwa eine Viertelstunde nach dem Fuchsloch nach rechts ab.

    Gehzeiten: Große Runde 5½ Stunden, kleine Runde 2 Stunden. Höhenunterschied: ein paar Meter. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 78 (Rust).

    © DER STANDARD, 20./21. März 1999 Automatically processed by COMLAB NewsBench

    Bernd Orfer
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