"Niemand kann das Wurstbrot verbieten"

7. Februar 2005, 15:12
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Ein Werbeverbot gegen Fastfood wäre "zum Scheitern verurteilt", so VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger

Ein Werbeverbot gegen Fastfood wäre "zum Scheitern verurteilt" und könnte nicht verhindern, dass der westliche Mensch ständig fetter wird, sagt VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger zum EU-Vorstoß.

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EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou fordert, dass Fast-Food-Industrie nicht mehr Werbebotschaften direkt an Kinder richten dürfe. Damit soll verhindert werden, dass Kinder in Europa immer fettleibiger werden. "Das ist zum Scheitern verurteilt", sagt Erwin Rasinger, VP-Gesundheitssprecher und praktischer Arzt in Wien, dazu im Gespräch mit dem STANDARD. "Niemand kann per Gesetz das Wurstbrot verbieten."

Das Problem Fettleibigkeit sei aber sehr ernst zu nehmen. "Die Leute essen einfach zu viel und bewegen sich zu wenig", so Rasinger weiter. Die dadurch verursachten Systemkosten würden rasant steigen, denn: "Es gibt Studien, dass in den USA die Fettleibigkeit bereits so viele Todesopfer jährlich fordert wie das Rauchen." Und die Überernährung sei längst nicht mehr ein rein amerikanisches Problem, sondern eine "global epidemic". Prinzipiell verstehe er also den Vorstoß Kyprianous, "um das Thema am Kochen zu halten".

Hannes Wuchterl, Marketingchef von McDonald's Österreich, sagt zum Thema: "Wir weisen entschieden zurück, dass Fastfood per se ungesund ist. Auch ein Cheeseburger kann im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung Platz haben - dazu gibt es bereits genug Studien." Von einem Werbeverbot hält er erwartungsgemäß nichts: "Damit würde man den Quick-Service-Restaurants die Möglichkeit nehmen, über die gesamte Breite des Angebots zu informieren."

Ein Jahr Frist für Industrie

In einem Interview mit der Financial Times sagte Kyprianou, er wolle nun der Industrie ein Jahr Zeit geben, um speziell an Kinder gerichtete Werbung für Fertigkost zu stoppen und die Produktkennzeichnungen zu verbessern. "Die Signale von der Industrie sind sehr ermutigend, sehr positiv. Aber wenn das zu keinen positiven Ergebnissen führt, werden wir zu gesetzlichen Maßnahmen übergehen", zitiert die Wirtschaftszeitung den griechischen Kommissar.

Ein Sprecher des Gesundheitskommissars ergänzte, die Maßnahme ziele insgesamt auf Essen mit hohem Fett-, Salz- und Zuckergehalt. Die Kommission habe aber noch kein entsprechendes Papier erarbeitet. Kyprianou wolle jedenfalls "eine gemeinsame Plattform mit der Nahrungsmittelindustrie" einrichten. (Leo Szemeliker/DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.1.2005)

Nachlese

EU-Kommission will Junk Food-Werbung für Kinder abschaffen - Kommissar Markos Kyprianou droht mit gesetzlichen Maßnahmen und fordert rasches Handeln

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