"Wir wollen nicht weg von Wien"

10. Februar 2005, 18:15
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Die Fachschaften der betroffenen Studienrichtungen sträuben sich gegen eine Übersiedlung - Unterschriftenliste ins Leben gerufen - BOKU-Rektor Dürrstein dementiert Gerüchte um Übersiedlung

Alex Sauciuc von der Fachschaft Elektrotechnik weiß, was den StudentInnen wichtig ist: "Der Standort Wien ist ein guter Uni-Standort". Die Pläne der Uni-Leitung, die Fakultät für Elektrotechnik nach Tulln zu übersiedeln, seien "uns nicht recht".

Warum Tulln?

Zwar bringe der neue Standort den Vorteil komplett neuer Räumlichkeiten mit sich, aber das alleine ist für Sauciuc noch kein Argument: "Neue Gebäude kann man auch in Wien bauen". Vor Jahren gab es schon einmal die Überlegung, die ganze TU auf der Donauplatte neu zu errichten. Vor allem die Anfahrtswege nach Tulln stören die Fachschaft Elektrotechnik. Außerdem, so Sauciuc, würden die Gebäude der Fakultät seit zwei Jahren renoviert. "Die Renovierung ist jetzt endlich in der Endphase, es wäre eigenartig, genau jetzt wegzuziehen".

Unterschriften sammeln

Eine von der Fachschaft ins Leben gerufene Unterschriftensammlung soll als Argumentationshilfe in der Diskussion mit der Fakultätsleitung dienen. "Natürlich hoffen wir, dass möglichst viele StudentInnen unterschreiben", so Sauciuc. Ob die Unterschriften Argument genug sind, ist noch unklar. "Nach meinem Wissensstand sind die Tullner Grundstücke schon angekauft", befürchtet Sauciuc.

Alles nur Gerüchte

Die Technische Chemie will sich noch nicht an dem Protest mittels Unterschriftenliste beteiligen. "Mehr als Gerüchte gibt es momentan nicht - aber wir hören genau hin", so Georg Wiesbauer von der Fachschaft Technische Chemie. Falls es tatsächlich zur Übersiedlung kommen sollte, hat auch er die Befürchtung, dass viele StudentInnen auf die Studienrichtung Chemie an der Uni Wien wechseln würden. "Es gibt sicher genug Studenten, die nicht nach Tulln wollen", betont Wiesbauer.

Warum es unbedingt Tulln sein muss, versteht er ebensowenig wie seine Kollegen von der Elektrotechnik. "Auf den Grundflächen des abgerissenen Lehartraktes der Technischen Chemie könnte man ein mehrstöckiges Hochhaus errichten, das genug Platz bieten würde". Pläne dazu gäbe es - nur realisiert wurden sie nie.

BOKU bleibt

Auf die Gerüchte über eine Übersiedlung von BOKU-Instituten nach Tulln reagierte Rektor Hubert Dürrstein gegenüber derStandard.at/Uni: "Das ist im Augenblick kein Thema". Die Uni für Bodenkultur sei schon mit Departments in Tulln vertreten, allerdings vorwiegend im Rahmen von Forschungsprogrammen. Lehrveranstaltungen wolle man nicht "auslagern". Aber: "Wir sehen in Niederösterreich ein überlegenswertes Entwicklungspotential", bestätigt Dürrstein. Vor allem bei Doktorats- oder PhD-Programmen sei der Standort Tulln "attraktiv".

Dürrstein betont die produktive gemeinsame Planung mit dem Land Niederösterreich im Bereich der Forschung. Conclusio des Gespräches: "Man soll in der heutigen Universitätsentwicklung keine Option ausschließen". (az)

  • Die Fachschaft Elektrotechnik startete eine Unterschriftenaktion gegen die Übersiedlung
    foto: fachschaft elektrotechnik

    Die Fachschaft Elektrotechnik startete eine Unterschriftenaktion gegen die Übersiedlung

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