Italien: Lega fordert Konsequenzen für Richterin

7. Jänner 2005, 10:38
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"Attentäter" will sich bei Regierungschef Silvio Berlusconi für Stativwurf entschuldigen - Mit Kommentar

Nach dem tätlichen Angriff auf Silvio Berlusconi fordert die Lega Nord Maßnahmen gegen die römische Richterin Maria Benedetta Callari, die den Täter nach 20-stündiger Haft auf freien Fuß gesetzt hatte.

Der Maurer Roberto Del Bosco aus Mantua hatte den italienischen Regierungschef bei einem Spaziergang in Rom mit seinem Fotostativ am Hals getroffen. Minister Roberto Calderoli von der Lega Nord forderte seinen Kollegen Roberto Castelli auf, die "unerhörte" Entscheidung der Untersuchungsrichterin von einem Inspektor des Justizministeriums prüfen zu lassen.

"Es geht nicht an, dass Ärzte, Journalisten oder Ingenieure für Fehlentscheidungen büßen müssen, während diese bei Richtern ohne Folgen bleiben", erklärte Calderoli. Die italienische Richtervereinigung wertete die Äußerung des Ministers als "Einschüchterungsversuch und verfassungswidrigen Übergriff der Regierung auf die Justiz".

Callari, die als ausgewogen und unabhängig gilt, erklärte, sie habe von einer Inspektion nichts zu befürchten: "Mein einziger Maßstab ist das Strafgesetzbuch."

Die Opposition sprach von einer "Rückkehr der Inquisition". Berlusconis Anwalt Niccolò Ghedini nahm die Richterin dagegen in Schutz. Sie habe richtig entschieden: "Wir sind schließlich das Haus der Freiheit und nicht das des Gefängnisses."

Für neue Polemiken sorgte der Dichter und Senator auf Lebenszeit Mario Luzi, der dem Rechtsbündnis vorwarf, die Attacke auf Berlusconi "nach bewährtem Mussolini- Vorbild" auszuschlachten. Indes hat Del Bosco angekündigt, er wolle sich in einem Brief an Berlusconi für seine "unbedachte Tat" entschuldigen. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2005)

Gerhard Mumelter aus Rom

Kommentar:
"Das Attentat"
Von Christoph Prantner

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  • Bild nicht mehr verfügbar

    Silvio Berlusconi, mit einem Pflaster notdürfig verarztet.

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