Hoffen, dass die Touristen bald wieder kommen

21. Februar 2005, 09:47
5 Postings

Trotz tausender Toter und drastischer Schäden in den Küstenregionen ist die Wiederkehr der Touristen die größte wirtschaftliche Hoffnung in den vom Tsunami betroffenen Staaten

Möge ihr Verhalten auch unsensibel und hartherzig erscheinen; Urlauber, die nur wenige Tage nach der Tsunamikatastrophe zum Urlaubmachen auf die devastierten Strände zurückkehren, zeigten auch, "wie es für die am schlimmsten getroffenen Länder nun weitergehen muss".

Mit diesen Worten setzt die konservative britische Tageszeitung The Daily Telegraph zur Verteidigung touristischer Unerschütterlichkeit an. Und spricht damit die Hoffnung von Hotelmanagern, Restaurantinhabern und unzähligen von Dienstleistungen an Reisenden lebenden Menschen in den touristisch erschlossenen Teilen der Tsunamigebiete an: dass, trotz der vielen Toten und der massiven Zerstörungen, die Devisen bringenden Fremden bald zurückkehren mögen.

Gefährdete Malediven

Indes sehen internationale Tourismusexperten nach Beben und Springflut vor allem auf die Malediven und Sri Lanka schwere wirtschaftliche Zeiten zukommen. Auf die Malediven, weil die Bewohner der Inselgruppe laut Welttourismusverband 74,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus dem Fremdenverkehr lukrieren. Auf Sri Lanka, weil die Wucht der Killerwellen dort wichtige Reisezentren heimgesucht hat - im Unterschied etwa zu Indonesien, wo Gebiete wie Bali und Lombok von Zerstörungen verschont blieben. Sri Lanka bezieht 10,8 Prozent, Indonesien 10,3 Prozent des BIP aus dem Tourismus.

Vor allem auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali macht man sich jetzt Hoffnung auf ein Comeback als Ferienziel - auch wenn nach den Terroranschlägen im Jahre 2002 mit mehr als 200 Toten immer noch Reisewarnungen ausländischer Regierung gelten. Mangels Tsunami-Frühwarnsystems für exponierte Gebiete wie dem Nusa-Dua-Strand seien jetzt jedoch "Strategien gefordert, um auch Urlaubsziele im bergigen Inneren der Insel attraktiv zu machen", sagte Putu Agus Atara, Vorsitzender des balinesischen Tourismusverbandes.

Thailand vor Erholung

In Thailand (mit einem BIP-Tourismusanteil von 12, 2 Prozent) könnte sich laut Analysten der Reisesektor wiederum rasch erholen. "Die wirtschaftlichen Folgen von Erdbeben und Flutwellen werden sich in Grenzen halten", sagte Chua Hak Bin, Volkswirt bei DBS Holdings in Singapur. Zerstört worden seien "vor allem Tourismusziele und Küstenstädte", während Großstädte und wichtige Infrastrukturen verschont blieben.

Den in Thailand zu verzeichnenden Gesamtschaden schätzte der Experte auf rund 100 Millionen US-Dollar, was die thailändische Wirtschaft 0,1 Prozent ihres Wachstums kosten könnte. "Das Kobe-Beben hat ungleich mehr Kapital vernichtet."

Damit spricht Chua Hak Bin jene Naturkatastrophe an, die in in den vergangenen 34 Jahren in Asien den größten Schaden angerichtet hat: Rund 95 Milliarden US-Dollar kostete der Erdstoß, der im Jahr 1995 die japanische Hafenstadt nahezu dem Erdboden gleichmachte, die japanische Volkswirtschaft. Im Vergleich dazu nehmen sich erste Schätzungen der Tsunami-Sachschäden gering an: laut der indischen Kammer für Handel und Industrie rund 450 Millionen US-Dollar etwa in Indien, rund 5,61 Millionen US-Dollar in der am schlimmsten betroffenen malaysischen Provinz Kedah.

Insgesamt haben in Asien Beben, Wellen, Vulkanausbrüche, Stürme und Überschwemmungen seit 1970 Schäden in der Höhe von 413 Milliarden US-Dollar angerichtet - mehr als das jährliche Bruttoinlandsprodukt von Hongkong, Thailand und Malaysia zusammengenommen. Im Vergleich der Kontinente sind das die höchsten Naturkatastrophenkosten, listet das Brüsseler Centre for Research on the Epidemiology of Disasters auf: Nordamerika hatte im gleichen Zeitraum mit Schäden in der Höhe von rund 213 Milliarden, Europa mit Schäden in der Höhe von rund 141 Milliarden US-Dollar zu kämpfen.

Bedürftiges Sri Lanka

In Asien - so die Katastrophenforscher - treffe das hohe von Naturgewalten ausgehende Risiko zudem auf vergleichsweise anfällige Volkswirtschaften. Das für weiße Strände und buddhistische Tempel bekannte Sri Lanka etwa sei gerade dabei, sich von einem Bürgerkrieg zu erholen, der Touristen 20 Jahre lang verschreckt hat. Also sei ausländische Hilfe dringend nötig, zumal das Haushaltsdefizit die Fähigkeit des Inselstaates, die Küstenregionen wieder aufzubauen, schwer beeinträchtigen dürfte.

Das gleiche dürfte auch für die von Beben und Killerwellen am schwersten getroffene Provinz Aceh auf der indonesischen Insel Sumatra gelten. Hier bezifferte Vizepräsident Jusef Kalla den Wiederaufbaubedarf auf rund 3,3 Milliarden US-Dollar. Um die Infrastrukturschäden zu beseitigen, werde es, so Kalla, mindestens fünf Jahre dauern. (Der Standard, Printausgabe, 03.12.2004)

Link

EM-DAT

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der thailändische Premier Thaksin Shinawatra im Gespräch mit Touristen

Share if you care.