Drei illegale Waffenlager ausgehoben

24. Dezember 2004, 14:54
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In drei Bundesländern - Motive: Anschläge, Waffenhandel und Sammelleidenschaft

Klagenfurt/Linz/Salzburg - Rund drei Monate war die "Rose vom Wörthersee" beschäftigt. Am Dienstagnachmittag erzielte die Sonderkommission der Kärntner Exekutive mit dem blumigen Namen dann einen Erfolg: Bei einer Razzia in Klagenfurt wurden Waffen und Sprengstoff beschlagnahmt und drei Verdächtige festgenommen. Mehrere Anschläge im Rotlichtmilieu dürften damit vor der Klärung stehen.

Seit Juli 2003 hatte es in Kärnten fünf Vorfälle gegeben, die auf gewalttätige Revierkämpfe in der Szene hindeuteten. Besonders spektakulär: Ein Handgranatenanschlag, bei dem der geparkte Wagen eines Zuhälters zerstört wurde und ein Anschlag mit einer Panzerfaust auf ein Bordell in Feldkirchen.

Explosive Bierdosen

Diese beiden Delikte dürften jetzt geklärt sein, erklärte Horst Pleschiutschnig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt: "Derzeit befinden sich drei Personen in Haft." Die Ermittlungen der Rosen-Soko und Hinweisen aus der Bevölkerung hatten die Beamten auf die Spur des Trios gebracht. Die beiden Österreicher und ein Kroate hatten in einer Wohnung mehrere Handgranaten, mit Sprengstoff gefüllte Bierdosen und anderes belastendes Material versteckt. Der kroatische Staatsbürger war Dienstag mit dem Auto von Slowenien nach Kärnten eingereist, im Reserverad hatte er Handgranaten versteckt. Als er die Ware an die Auftraggeber übergeben wollte, klickten die Handschellen.

Auch den Ermittlern in Oberösterreich gelang ein Schlag gegen einen illegalen Waffenhändlerring. Nach anonymen Hinweisen aus der Bevölkerung habe man bereits Anfang Dezember erste Ermittlungen gegen einen 26-jährigen Arbeiter aus dem Bezirk Kirchdorf aufgenommen, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Steyr, Guido Mayrunteregg, zum STANDARD.

MP mit Schalldämpfer

Vergangenen Montag folgte dann eine Hausdurchsuchung. Dabei stießen die Beamten auf ein umfangreiches Waffenlager: Sechs Maschinenpistolen (Tschechische Skorpions mit Schalldämpfer), ein Maschinengewehr, neun automatische Waffen, 50 Pistolen und 40 Langwaffen. Dazu noch Unmengen an Munition und Waffenteilen.

Im Zuge der Ermittlungen konnten noch weitere fünf Tatverdächtige - alle im Alter zwischen 23 und 34 Jahren - überführt werden. "Die Männer, von denen keiner eine Waffenberechtigung hat, sollen voll geständig sein. "Alle wurden deswegen auf freiem Fuß angezeigt", erläutert der Staatsanwalt. Woher die Männer ihren Waffen genau bezogen, war noch unklar.

Waffennarren

In Salzburg schließlich beschlagnahmte die Polizei im Wohnhaus eines 57-jährigen beschäftigungslosen Waffennarren rund 50 Gewehre und Pistolen sowie mehrere Tausend Schuss Munition. Eine Verbindung zu einer Terrororganisation wurde vom Verfassungsschutz ausgeschlossen.

Anzeigen nach dem Waffengesetz haben in den vergangenen Jahren in Österreich kontinuierlich abgenommen: 1997 waren es noch 1500, im Vorjahr nur mehr 502. In der Unterabteilung Kriegsmaterialien hingegen ergab sich seit 2001 (vier Anzeigen) wieder ein Anstieg auf 15 Fälle im Vorjahr. (moe, mro, simo/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2004)

Wissen

Schusswaffen gibt es viele, wer welche nach Österreich einführen darf, ist in unterschiedlichen Vorschriften geregelt. Für Handfeuerwaffen wie Pistolen ist der Besitz eines gültigen Waffendokumentes erforderlich, also ein Waffenpass oder eine Waffenbesitzkarte. Ausnahmen gibt es nur bei Staatsbesuchen.

Ist eine Waffe allerdings "gebrauchsunfähig" gemacht, beispielsweise indem der Lauf verschweißt worden ist, kann sie von jedem eingeführt werden.

Anders sieht es bei den Waffen aus, die unter das Kriegsmaterialgesetz fallen, etwa halbautomatische Waffen oder Handgranaten. Für diese ist für die Ein-, Durch- und Ausfuhr eine Bewilligung des Innenministeriums erforderlich. Selbst Teile dürfen ohne Genehmigung nicht im-oder exportiert werden.

Diese Bewilligungspflicht gilt nicht nur für Schusswaffen und Sprengmittel, sondern beispielsweise auch für Nachtsichtgeräte und andere militärische Ausrüstung. (moe)

  • Ein Teil des Waffenlagers aus Oberösterreich. Die Verdächtigen handelten unter anderem mit verbotenem Kriegsmaterial.
    foto: polizei

    Ein Teil des Waffenlagers aus Oberösterreich. Die Verdächtigen handelten unter anderem mit verbotenem Kriegsmaterial.

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