Weihnachtsmann: "Habe Tradition"

4. Juli 2005, 10:58
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Habt ihr gewusst, dass der Weihnachtsmann sein Outfit ändern will und am Burnout-Syndrom leidet? Dem SCHÜLERSTANDARD verriet er Details aus seinem Leben

STANDARD: Wie schauen deine Pläne für Weihnachten aus?

Weihnachtsmann: Ich bin total im Stress, weil ich dieses Jahr bei so vielen Menschen überlegen muss, ob sie überhaupt ein Geschenk bekommen.

STANDARD: Wem willst du denn dieses Jahr nichts gönnen?

Weihnachtsmann: Namen will ich keine nennen, aber es gibt einiges, das mir zu denken gibt, wie die PISA-Studie oder das neue ÖH-Gesetz.

STANDARD: Es gibt also keine typischen Politikergeschenke?

Weihnachtsmann: Nein, heuer gibt es für manche nicht mal das übliche Entspannungsbad oder die Räucherstäbchen.

STANDARD: Wie sieht es in deinem Unternehmen mit Rationalisierungsmaßnahmen aus?

Weihnachtsmann: Also, in meinem Betrieb gibt es da keine Probleme. Meine Mitarbeiter sind alle motiviert und produktiv. Ich beschäftige 2000 Elfen und 9 Rentiere, die das ganze Jahr über tolle Arbeit leisten. Außerdem arbeitet meine Frau tatkräftig mit.

STANDARD: Du bist also nicht der Meinung, das Weihnachtsbusiness sei Männersache?

Weihnachtsmann: Ohne die weibliche Intuition meiner Frau und der Elfen wäre die Wahl der Geschenke wesentlich schwieriger. Was die Bezahlung betrifft: Die ist werkvertraglich geregelt und geschlechtsunabhängig. Die Lohnhöhe wird aus Erstaunen und Freude des Beschenkten und der Originalität des Geschenkes berechnet.

STANDARD: Macht dir deine Arbeit eigentlich Spaß?

Weihnachtsmann: Ja, ich liebe sie. Nur das Burnout-Syndrom macht mir zu schaffen.

STANDARD: Hast du nicht Lust auf ein neues Outfit - raus aus dem roten Bademantel?

Weihnachtsmann: Leider kann ich mir diese Freude nicht gönnen. Ich habe einen Vertrag mit Coca-Cola, der mir meine Kleidung vorschreibt. Könnt ihr euch vorstellen, wie langweilig es ist, seit 1930 den selben Anzug zu tragen?

STANDARD: Wie macht sich für dich eigentlich die Konkurrenz des Christkinds bemerkbar?

Weihnachtsmann: Es ist ja so, dass sich das Christkind eher durch mich bedroht fühlt, wie es zum STANDARD ja schon letztes Jahr gesagt hat. Es fehlt ihm an Toleranz - so viel Feindlichkeit vertrage ich zu Weihnachten einfach nicht.

STANDARD: Das Christkind hat aber schließlich auch eine lange Tradition und ist Konkurrenz nicht gewohnt.

Weihnachtsmann: Lange Tradition habe ich genauso. Ich war schon im 4. Jahrhundert als Bischof Nikolaus in der Stadt Myra, in der heutigen Türkei, bekannt. Nach meinem Namenswechsel will das nur keiner mehr wahrhaben.

STANDARD: Wie kam es zu dem Namenswechsel?

Weihnachtsmann: Mit einer Auswanderungswelle kam ich nach Amerika, wo ich meinen Namen bedingt ändern musste. Der Lichtblick war meine Frau, die ich am Hafen von New York kennen lernte. So änderte sich 1809 mein Image und ich wurde vom Nikolaus zum Weihnachtsmann.

STANDARD: Ist ja interessant. Vernachlässigst du durch deinen Einsatz in Europa nicht den amerikanischen Weihnachtsmarkt?

Weihnachtsmann: Nein, denn in Zeiten der Globalisierung darf auch der Weihnachtsmann nicht schlafen. Ich stelle mich der internationalen Konkurrenz. Ich gebe zu, neben dem Christkind Monopolstatus zu haben. Aber wir stehen auch in Konkurrenz zu anderen Geschenkbringern.

STANDARD: Erwarten eigentlich auch dich Pensionsabschläge?

Weihnachtsmann: Wir sind ein Familienbetrieb und können uns von keinem Staat abhängig machen. Da würde man uns vorwerfen, anderswo tollere Geschenke zu bringen. Deshalb beziehen wir keine staatliche Pension sondern haben ein privates Pensionskonto.

STANDARD: Könntest du dir vorstellen, in die Politik zu gehen?

Weihnachtsmann: Was macht ein alter Mann in der Politik? Wir brauchen junge Leute. Mein Rat: Elisabeth, hör auf deine Schüler und Studenten.

ZUR PERSON:

Der Weihnachtsmann ist im 19. Jhdt. aus dem heiligen Nikolaus entstanden, mit Schlitten und Rentieren unterwegs und in Lappland zu Hause
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