Pfizer-Mittels Celebrex muss vom Markt

21. Dezember 2004, 15:57
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Pharmaexperten schreiben viele Nebenwirkungen Verordnungsfehlern von Ärzten zu

Berlin - Nach Bekanntgabe gefährlicher Nebenwirkungen beim Schmerzmittel Celebrex haben Experten den Pharmakonzern Pfizer aufgefordert, das Medikament ganz aus dem Verkehr zu ziehen. "Celebrex muss vom Markt", sagte Wolfgang Becker-Brüser, Mitherausgeber des unabhängigen Informationsdienstes "Arznei-Telegramm", dem Berliner "Tagesspiegel". Im Prinzip gelte dies für die gesamte Klasse der so genannten Cox-2-Hemmer, zu der auch das zurückgezogene Merck-Rheumamittel Vioxx gehört.

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Bruno Müller-Oerlinghausen, sieht zwar vorerst keine Notwendigkeit, die Mittel ganz vom Markt zu nehmen, schließt dies aber für später nicht aus. "Wir sollten uns das gesamte Arsenal an Rheumamitteln erhalten, um daraus das für jeden Patienten optimale Medikament auswählen zu können", sagte er dem "Tagesspiegel". Sollte es jedoch Hinweise geben, dass die Hersteller mit Werbeaktionen die Ärzte drängten, verstärkt andere Medikamente aus der Gruppe der Cox-2-Hemmer zu verschreiben, um die Vioxx-Lücke zu füllen, müsse man darüber nachdenken, Celebrex und die anderen Mittel vom Markt zu nehmen.

Verordnungsfehler

Diese Hinweise sieht der Bremer Arzneimittelexperte Gerd Glaeske schon jetzt. "Die Hersteller haben die Ärzte gedrängt, verstärkt andere Cox-2-Hemmer zu verordnen, obwohl für die meisten Rheumapatienten bewährte Schmerzmitteln wie Diclophenac und Ibuprofen zur Verfügung stehen", sagte er. Viele der unerwünschten Nebenwirkungen von Arzneimitteln beruhten auf Verordnungsfehlern der Ärzte, die gesundheitliche Risiken oder Wechselwirkungen mit anderen Präparaten nicht berücksichtigten. (APA)

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