Kein Start von Hans Knauß in Alta Badia

20. Dezember 2004, 00:48
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Nach Aufregung um positiven Nandrolon-Test fehlt die Konzentration - ÖSV steht hinter dem Steirer, der nun Ursachenforschung betreibt

Alta Badia - Hans Knauß, hat am Samstagabend seinen Verzicht auf ein Antreten im Riesentorlauf am Sonntag in Alta Badia erklärt. Gestern war bekannt geworden, dass der Steirer nach der Abfahrt in Lake Louise eine postitiv auf das Dopingmittel Nandrolon getestet worden. "Ich gehe nicht an den Start, denn ich kann im Moment einfach nicht abschalten. Der Schock über den Skandal sitzt sehr tief bei mir", so Knauß. Es fehle ihm die notwendige Konzentration, die Sturz- und Verletzungsgefahr sei dann zu groß.

Ausgerechnet am Tag der ersten Bluttests im alpinen Skisport hatte der 33-jährige Knauß am Donnerstagabend in Gröden die positive Doping-Probe publik gemacht, obwohl die B-Probe noch nicht ausgewertet ist. Es ist dies der erste öffentlich bekannte Nandrolon- und gemessen an der Prominenz des Österreichers bisher größte Dopingfall im Alpinbereich. Ob Knauß vor dem Vorliegen der B-Probe noch einmal ins Renngeschehen eingreifen wird ist noch nicht klar.

Der Routinier hatte zwar sofort jede Art von vorsätzlichem Doping bestritten, aber auch zugegeben, ohne ärztlichen Rat Nahrungsmittelergänzungen zu sich genommen zu haben. Ob der Ende November erhobene, nur leicht erhöhte und laut Ärzten keinesfalls leistungssteigernde Wert tatsächlich eine verunreinigte Probe zur Ursache hat oder vom Körper selbst produziert wurde, bleibt zu klären. Im ÖSV legt man den Aktiven seit Jahren nahe, bezüglich Nahrungsmittelergänzungen nur geprüfte Produkte des offiziellen Partners Peeroton zu verwenden.

B-Probe in zwei bis drei Wochen

Der von Knauß ("Das ganze hat mir einen Riesenschock verpasst") in Wien privat absolvierte Dopingtest brachte zwar ein negatives Ergebnis, die maßgebliche B-Probe des in Kanada absolvierten Tests wird laut ÖSV-Alpinchef Hans Pum aber erst in zwei bis drei Wochen bekannt sein.

Der siebenfache Weltcupsieger und Riesentorlauf-Vizeweltmeister Knauß gilt in der Szene als absoluter Sympathieträger und fairer Sportler. Der Schladminger war am Samstag in der Gröden-Abfahrt nicht am Start sondern bereitete sich in Alta Badia auf den dortigen Riesentorlauf am Sonntag vor. "Ich bin überzeugt, dass Hans nicht absichtlich gedopt hat. Er ist sehr deprimiert und am Boden zerstört. Es ist aber in aller Interesse zu klären, wie so etwas zu Stande kommen kann", sagte Pum in Gröden.

Der Fall trifft den Internationalen Skiverband (FIS) in einer Phase der Intensivierung des Dopingkampfes. Seit dieser Saison hat die FIS in Zusammenarbeit mit der Anti-Doping-Agentur die Kontrollen auch im Alpinbereich intensiviert, erstmals mussten deshalb nach dem Super-G in Gröden am Freitag die ersten Vier und zwei geloste Fahrer zur Blutprobe. "Wachstumshormone und Designerdrogen machen die Sache sehr schwierig", sagte FIS-Präsident Gianfranco Kasper, für den es aber bis zur B-Probe keinen "Fall Knauß" gibt

Nasensprays und Grippemittel

Bisher hatte Doping - besonders mit anabolen Steroiden - im alpinen Rennzirkus kaum eine Rolle gespielt. Meist waren es Aufputschmittel in Nasensprays oder Grippemitteln, die Sportlern zum Verhängnis wurden. Die Französin Christelle Guignard etwa verlor deshalb 1989 in Vail ihre WM-RTL-Bronzemedaille, der Brite Alain Baxter sein bei Olympia 2002 in Salt Lake City gewonnenes Slalom-Bronze. Der Österreicher Rainer Schönfelder kam heuer mit einer Verwarnung davon, nachdem er ein Grippemittel mit einer verbotenen Substanz genommen hatte.

Die bisherigen Anabolika-Fälle hatten lediglich Mitläufer wie den Italiener Franco Colturi (1994) oder den Slowenen Primoz Skerbinek (2003) betroffen.

Modedroge

Das Dopingmittel Nandrolon gilt als Modedroge, die jedoch leicht nachzuweisen ist. Des Nandrolondopings überführt wurden unter anderen die Leichtathleten Linford Christie, Merlene Ottey und Jerome Young sowie die niederländischen Fußballer von Juventus Turin, Edgar Davids und Jaap Stam. In der Tennis-Profiszene der Herren hatte es wegen von der ATP verabreichter, verunreinigter Mittel sogar mehrere "positive" Fälle gegeben, die aber trotz Kritik mit Freisprüchen geendet hatten. Bekanntester Nandrolon-Fall in Deutschland war die "Zahnpasta-Affäre" um 5.000-m-Olympiasieger Dieter Baumann. (APA)

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