Gehrer: Absturz am Vertrauensindex

19. Dezember 2004, 12:21
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Nach Pisa-Debakel auf vorletzten Platz abgerutscht - Umfrage­werte von Bundespräsident Fischer heben hingegen ab - Mit Infografik

Wien - Bundespräsident Heinz Fischer hebt ab, zumindest in seinen Umfragewerten. In einer aktuellen Umfrage für den APA/OGM-Vertrauensindex (500 Telefoninterviews, Dienstag, 14. Dezember) hat er gegenüber dem September um 20 Punkte zulegen können und erreicht am Vertrauensindex nun einen Wert von 76. Verliererin des letzten Quartals 2004 ist Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V), die ihren Absturz dem Pisa-Debakel verdankt. Sie verlor 23 Punkte, hinter ihr liegt im Ranking nur mehr der freiheitliche Dritte Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn, der die rote Laterne seit dem vorigen Frühjahr nicht los wird.

"Vertrauen Sie xy oder vertrauen sie xy nicht oder kennen Sie xy nicht", lautet die Frage von OGM. Aus den beiden Werten wird dann der Saldo gebildet, der für das Ranking herangezogen wird. Am Beispiel Fischer bedeutet das konkret: 87 Prozent vertrauen dem Staatsoberhaupt, elf Prozent tun dies nicht. Bleiben als Saldo 76 Punkte. Verliererin Gehrer muss damit leben, dass 60 Prozent angeben, ihr nicht zu vertrauen. Wohl gesonnen sind ihr noch 35 Prozent.

Fischer gilt nun auch als volksnah

"Fischer hat die Transformation zum Bundespräsidenten perfekt gemeistert", kommentiert OGM-Politologe Peter Hajek das Ergebnis. Fischer gelte plötzlich auch als volksnah. Eine Eigenschaft, die man ihm früher nicht zugeschrieben hätte.

Superminister auch Gewinner

Nummer zwei auf der Liste der Gewinner ist Doppel-Minister Günther Platter (V), dessen Krisenmanagement in der Misshandlungsaffäre beim Bundesheer offenbar goutiert wird. Hajek attestiert Platter auch eine gewisse "Amtswürde" in seiner neuen Zusatzfunktion als Innenminister. Unter dem Strich bleiben für Platter als Saldo neun Punkte.

Plus für Van der Bellen

Das Plus von sechs Punkten für Grünen-Chef Alexander Van der Bellen erklärt Hajek mit dem Jubiläum 20 Jahre Hainburg. Mit einem Saldo von 27 Punkten bleibt der Professor in der Gesamtwertung die Nummer zwei hinter Fischer.

Gusenbauer legt zu

Zugelegt, und zwar um sieben Punkte, hat auch SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer, der nach dem SPÖ-Parteitag noch ramponiert gewirkt hatte. Der OGM-Experte meint, dass Gusenbauer auch vom Rücktritt Ernst Strassers (V) als Innenminister profitiert habe. Mit minus zwei Punkten in der Gesamtwertung liegt der SPÖ-Chef im Mittelfeld des Vertrauensrankings und hat wieder seine Vorjahreswerte erreicht. Der "Pogrom"-Sager im EU-Wahlkampf hatte zu einem "Durchhänger" geführt, so Hajek.

Schüssel verliert

Schlechter sind die Parteichefs der Regierungsparteien platziert. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat weitere sieben Punkte verloren und kommt auf minus 15.

Haubner kommt in der Öffentlichkeit kaum vor

Minus 16 wiederum lautet der Wert für Staatssekretärin Ursula Haubner (F). "Sie kommt in der Öffentlichkeit kaum vor. Ihr fehlt ein ministerielles Amt", analysiert Hajek den Wert der FPÖ-Obfrau.

Strasser

Polit-Aussteiger Ernst Strasser verliert gegenüber seinem September-Wert sechs Punkte und kommt nun auf einen Wert von zwölf. Respektabel der Einstieg von Neo-Ministerin Ursula Plassnik (V). Die neue Chefin des Außenamts erreicht auf Anhieb 18 Punkte und Platz vier im Vertrauensranking. Von ihren Regierungskollegen muss sie sich damit nur Umwelt- und Landwirtschaftsminister Josef Pröll geschlagen geben. (APA)

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