Neuer Verhaltenskodex für Pharmaindustrie

22. Dezember 2004, 11:36
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Industrieverband Pharmig will Zeichen für "saubere Branchenkultur" setzen - Freiwillige Vereinbarung sieht Schiedsgericht und Geldstrafen vor

Wien - Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) verschärft ihr Vorgehen gegen aggressive Marketingmethoden bei Ärzten. Laut dem neu gefassten Verhaltenskodex dürfen Pharma-Firmen in Zukunft nur noch Angehörige von Gesundheitsberufen - nicht mehr deren private Begleitung - einladen.

Per Schiedsgericht bzw. Geldstrafen gibt es erstmals echte Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Sauberen Branchenkultur

"Wir haben einen entscheidenden Schritt in Richtung einer sauberen Branchenkultur gesetzt", sagte Pharmig-Präsident Hubert Dreßler. Der österreichische Verhaltenskodex, der mit Beginn kommenden Jahres in Kraft trete, sei schärfer als vergleichbare Regelwerke anderer europäischen Länder und auch strenger als der Verhaltenskodex des europäischen Pharma-Verbandes EFPIA.

Zum Beispiel sehen die österreichischen Regelungen im Fall eines schweren Verstoßes erstmals Sanktionsmöglichkeiten in Form von Geldstrafen in der Höhe von 20.000 bis 100.000 Euro vor. "Einmalig ist die Durchsetzbarkeit der Entscheidungen, ein schiedsgerichtliches Urteil ist wie ein Titel in einem ordentlichen Gerichtsverfahren", betonte Dreßler.

Weitere Bestimmungen des neuen Verhaltenskodex: Pharma-Veranstaltungen für Ärzte wie Kongresse, Symposien oder Workshops müssen überwiegend der wissenschaftlichen Information oder Fortbildung dienen und grundsätzlich - außer im Fall internationaler Kongresse - im Inland stattfinden.

Begleitpersonen generell unerwünscht

Die Mitnahme von Begleitpersonen ist generell unerwünscht - sollten diese aber dennoch mitreisen, so dürfen von den Pharma-Firmen künftig keinerlei Kosten mehr für die Organisation, Verpflegung oder Unterkunft übernommen werden.

Die Pharmig in einer Aussendung: "Im Klartext: Sollten die Ärzte ihre Ehefrauen oder Familienmitglieder auf Pharma-Veranstaltungen mitnehmen, müssen sie in Zukunft dafür selbst aufkommen. Und: Mitarbeiter von Pharmig-Mitgliedsfirmen dürfen im Zusammenhang mit geschäftlichen Kontakten ihrer Firmen keinerlei Sach- oder Geldgeschenke anbieten oder annehmen."

Ärztemustern geregelt

Die Regelungen für Reisen - Begleitung auf Selbstzahler-Basis - war allerdings auch schon bisher üblich. In dem Verhaltenskodex geregelt ist weiters die Abgabe von Ärztemustern (Medikamente). Allerdings gehören in Österreich zu den Marketingmaßnahmen auch Rabatte von Herstellern gegenüber Apotheken (Spitalsapotheken), die nicht leicht erkennbar, aber gern genutzt werden.

Den Pharmig-Verhaltenskodex gibt es bereits seit 1971, in den vergangenen Jahren ist er immer wieder kontinuierlich verschärft worden. 2004 hat es sieben Beschwerden gegeben, eine davon wurde als Verstoß gewertet. "Wesentlich ist, dass der Pharmig-Verhaltenskodex eine präventive Funktion hat", erklärte Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig. (APA)

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