Wirtschaftsforscher: Treibhausgas-Reduktion würde Asiens Ökonomien zerstören

2. Februar 2005, 20:15
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APEC: UNO habe ihr Versprechen nicht eingelöst, Länder der Dritten Welt ausreichend zu unterstützen

Buenos Aires - Falls asiatische Staaten Emissionsreduktionsziele für Treibhausgase im Rahmen des Kyoto-Protokolls übernehmen, würden die rasch wachsenden Ökonomien dieser Länder "zerstört" - das ist die Kernaussage einer Studie des nationalen australischen Forschungszentrums der Asian Pacific Economic Corporation (APEC), die am Dienstag bei der UNO-Klimakonferenz in Buenos Aires präsentiert wurde. Die UNO habe beim Klimaschutz ihr Versprechen nicht eingelöst, Ländern der Dritten Welt, speziell jenen mit rasanter Entwicklung, bei der Eindämmung des Treibhausgas-Ausstoßes zu helfen, kritisierte Alan Oxley, der Vorsitzende des APEC-Forschungszentrum an der Monash University.

Australien ist gemeinsam mit den USA - ebenfalls APEC-Mitglied - 2001 aus dem "Kyoto-Prozess" der UNO-Klimakonvention ausgeschert und hat das Protokoll bisher ebenso wie die Vereinigten Staaten nicht ratifiziert. Die USA und Australien versuchen bei der laufenden Konferenz offenbar, ihre Kritik am Kyoto-Protokoll zu verschärfen und von ihnen favorisierte Wege im Klimaschutz als Gegenpol zu etablieren. Dabei geht es auch und vor allem um die Vermeidung von Auflagen, die allzu große Einschränkungen für ein auf fossilen Energieträgern basierendes Wirtschaftssystem bringen.

"Behinderung"

Die 1991 gegründete GEF (Global Environmental Facility, der Mechanismus, über den die Klimaschutzfonds abgewickelt werden) habe im Jahresschnitt bloß etwas über 100 Mio. US-Dollar zur Verfügung gestellt. Oxley: "Der APEC-Report zeigt, dass dies unbedeutend ist, wenn man den Betrag mit jenen 63 Mrd. US-Dollar vergleicht, die Entwicklungsländern an 'normaler' Unterstützung 2004 bewilligt worden sind."

Der Hauptanteil der GEF-Gelder werde an kleine und arme Staaten verteilt, damit diese erneuerbare Energien nutzen. "Das bringt wenig für die Reduzierung der globalen Treibhausgas-Emissionen - und behindert in der Folge auch noch die wirtschaftliche Entwicklung von Dritte Welt-Ländern, die gut verfügbare Energieträger benötigen."

Die Rolle der Schwellenländer

Der APEC-Chef in seinem Fazit: "Die Weltbank und andere Einzahler in die GEF sind offensichtlich nicht an effektiven und konkreten Maßnahmen zur CO2-Reduktion interessiert. Alles in allem sind die Interessen der schnell wachsenden Entwicklungsländer in Ostasien vernachlässigt worden." Der APEC gehören u.a. China, Japan, Korea, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Thailand und Vietnam an, ebenso die USA, Kanada, Australien, Mexiko, Chile und Neuseeland.

Zumindest Schwellenländer sollen nach den Vorstellungen der meisten Industrienationen nach Ablauf von Phase 1 des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 in das System der Emissionsreduktionsziele einbezogen werden. In Buenos Aires werden vermutlich bloß allererste diplomatische Versuche in diese Richtung unternommen, weil die Entwicklungsländer bisher wenig Bereitschaft zeigen, sich auf solche Vorgaben einzulassen. (APA)

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