Ehemalige deutsche RAF-Terroristin Proll darf nicht in die USA

13. Dezember 2004, 07:41
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Konnte nicht an Begräbnis der Mutter teilnehmen - Laut "Spiegel" Beispiel für schärfere Visa-Bestimmungen

Hamburg - Das amerikanische Heimatschutzministerium hat die Einreisebestimmungen in die USA nach einem "Spiegel"-Vorausbericht offenbar auch für ehemalige Mitglieder der terroristischen Roten-Armee-Fraktion (RAF) verschärft. Der ehemaligen deutsche RAF-Terroristin Astrid Proll sei sogar die Einreise zur Teilnahme am Begräbnis ihrer Mutter verweigert worden, berichtete das Blatt am Samstag.

Bereits seit Jänner habe sich die 57-Jährige vergeblich um ein Visum zum Besuch der seit über 40 Jahren in den USA lebenden, hochbetagten Mutter bemüht. Die Konsularabteilung der US-Botschaft in Berlin habe auf Drängen Prolls und einiger Mitglieder der deutschen Regierung lediglich angekündigt, ihren Einreiseantrag zu überprüfen und ihn gegebenenfalls "voranzutreiben".

Regelmäßige Besuche vor März 2003

Vor Gründung des Heimatschutzministeriums im März 2003 habe Proll ihre Mutter dagegen regelmäßig in Kalifornien getroffen. Die 91-jährige Hildegard Proll war dem Blatt zufolge bereits 1962 in die USA ausgewandert und hatte unter anderem als Deutschlehrerin Soldaten der US-Armee unterrichtet. Vor zwei Wochen war sie gestorben, wie der "Spiegel" berichtete.

Astrid Proll gehörte zur ersten RAF-Generation. Sie stieß bereits 1968 zu der Terrorgruppe um Andreas Baader. Wegen Beteiligung an einem Banküberfall und Urkundenfälschung Anfang der 1970er Jahre wurde sie 1980 zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Seitdem ist sie auf freiem Fuß und arbeitet als Fotografin und Autorin.

Der Fall Proll ist laut "Spiegel" ein weiteres Beispiel für die immer restriktivere Visa-Vergabe der USA: In diesem Jahr bekamen schon der britische Bestsellerautor Ian McEwan und der ebenfalls aus Großbritannien stammende ehemalige Sänger Yusuf Islam (früher: Cat Stevens) keine Einreiseerlaubnis. (APA/AP)

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