Keine Übernahme ohne ÖIAG-Zustimmung

10. Dezember 2004, 16:07
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Staatsholding muss der Beseitigung der Schutzklausel gegen feindliche Übernahme zustimmen - Siemens-Offert könnte sonst unwirksam werden

Wien - Die Übernahme der VA Tech durch den Siemens-Konzern ist praktisch gesehen nur mit Zustimmung der ÖIAG und kaum gegen den Willen der beiden internationalen Großaktionäre Fidelity und Goldman Sachs durchzuführen. Dies ergibt sich aus dem von Siemens Österreich am Freitag vorgelegten Übernahmeangebot und Erfahrungswerten aus bisherigen VA Tech-Hauptversammlungen.

Bedingungen

Neben dem Überschreiten der Stimmrechtsschwelle von 50 Prozent und der Genehmigung durch die Kartellbehörden hat der Siemens-Konzern in seinem Übernahmeangebot für die VA Tech auch die ersatzlose Aufhebung des 25-prozentigen Höchststimmrechts als Bedingung für das Zustandekommen des Deals genannt. Wie aus dem veröffentlichten Volltext des Angebots im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" (Freitag-Ausgabe) hervorgeht, steht diese Bedingung, das Höchststimmrecht zu kippen, allerdings unter einem Rücktrittsvorbehalt seitens Siemens.

Wörtlich heißt es darin: "Der Bieter kann auf die ... Bedingung bis zum dritten Börsetag vor dem ursprünglichen Termin des Ablaufs der Allgemeinen Annahmefrist (9.2.2005) verzichten." Für diesen Fall räumt Siemens Österreich jenen Aktionären der VA Tech, die das Angebot vor Veröffentlichung dieses Verzichts angenommen haben, das Recht ein, innerhalb weiterer zehn Börsetage davon wieder zurückzutreten.

Dreiviertel-Mehrheit für Änderung nötig

Nach den Satzungen der VA Tech darf kein Aktionär des Linzer Technologiekonzerns mehr als 25 Prozent der Stimmrechte ausüben, egal wieviel Aktien er besitzt. Für eine Änderung der Satzung bedarf es einer Dreiviertel-Mehrheit der Hauptversammlung (HV). Siemens will noch nach den Weihnachtsferien eine außerordentliche HV einberufen, in der die Stimmrechtsbeschränkung fallen soll.

Die geltende Stimmrechtsbeschränkung würde es beispielsweise der ÖIAG (14,7 Prozent) und einigen Fonds ermöglichen, wichtige Unternehmensentscheidungen wie etwa die Abspaltung einzelner Teilgesellschaften oder ein Börsen-Delisting zu verhindern.

In Analystenkreisen wird dem Vorhaben von Siemens aber wenig Chancen auf Erfolg eingeräumt. "Ich glaube nicht, dass sie das zusammen kriegen", sagte ein Aktienexperte heute zur APA. "Die Aktionäre würden sich damit selber das Wasser abgraben, auch was den Preis (einen höheren, Anm.) betrifft."

"Squeeze-out" bei mindestens 90 Prozent

Um die VA Tech von der Börse nehmen zu können, benötigt Siemens einen Anteil von mehr als 90 Prozent des stimmberechtigten Kapitals. Nur dann können eventuell verbleibende Kleinaktionäre aus der Gesellschaft "gequetscht" werden (squeeze-out). (APA)

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