SPD-Medienholding sucht Investor für "Frankfurter Rundschau"

20. Dezember 2004, 13:37
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Interessenten, aber noch keine konkreten Verhandlungen - Mitarbeiterzahl soll von 1.100 auf 750 sinken

Die SPD-Medienholding ddvg, seit Frühjahr Mehrheitsgesellschafter der angeschlagenen "Frankfurter Rundschau", sucht einen neuen Anteilseigner für das Blatt. Bis Mitte 2005 solle der Sanierungsprozess im wesentlichen abgeschlossen sein, sagte Jens Berendsen von der Geschäftsführung der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (ddvg) am Donnerstag in Hamburg.

Die ddvg hat 2003 ihren Jahresüberschuss um 36 Prozent auf 12,5 Mio. Euro gesteigert. 2004 werde das Ergebnis wegen der schleppenden Konjunktur sowie Sondereinflüssen leicht rückläufig sein und etwa auf dem Niveau von 2002 (9,2 Mio Euro) liegen, berichtete Berendsen.

Interessenten, aber noch keine konkreten Verhandlungen

Für die "FR" gibt es nach den Worten der SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier Interessenten, aber noch keine konkreten Verhandlungsgespräche. "Es soll eine Verlagslösung werden", ergänzte Berendsen. Die ddvg hält 90 Prozent der Anteile und will sich um einen Investor für 51 Prozent bemühen.

"Schwarze Null" Mitte 2006

Mitte nächsten Jahres soll die Zeitung im Betriebsergebnis wieder eine "schwarze Null" schreiben, was unterm Strich dann auch 2006 geschafft werden soll. Die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze wird auf 750 nach 1.100 zum Einstieg der ddvg reduziert. Die Zahl von 140 Journalisten solle erhalten bleiben, sagte Berendsen.

Es sei das strategische Prinzip der ddvg, sich auf Minderheitsbeteiligungen zu konzentrieren, erläuterte Geschäftsführer Gerd Walter. So wird sich die Holding noch vor Weihnachten mehrheitlich von der "erheblich restrukturierten Frankenpost" in Hof trennen, bei dem sich der Süddeutsche Verlag wieder engagieren will. "Wir liegen in den letzten Zügen", sagte Walter. Der Süddeutsche Verlag werde zunächst 35 Prozent übernehmen und eine Option auf weitere 30 Prozent haben. Kartellrechtliche Bedenken sieht Walter nicht.

Im schwierigen Druckereigeschäft hat sich die ddvg von zwei Betrieben in Karlsruhe und Hildesheim getrennt. Über künftige Engagements wollte die Geschäftsführung keine konkreten Angaben machen: "Wir haben genug mit der Bestandspflege zu tun", sagte Walter. Die ddvg war zuletzt mit rund 75 Prozent beim Tivola Verlag eingestiegen, der beispielsweise Kinder-Computerspiele herausgibt. Das Hauptgeschäftsfeld Medienbeteiligungen erzielte 2003 ein Ergebnis von rund 23 Mio. Euro, rund 5,0 Millionen mehr als im Vorjahr.

Die Holding hat aus dem Gewinn 2003 bisher rund 6,0 Mio. Euro an die Partei in Berlin überwiesen, die das Geld zum Unterhalt des Willy-Brandt-Hauses nutzt. "Das ist eine Tranche, die auch in Zukunft abfließen soll", sagte Wettig-Danielmeier. (APA/dpa)

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