Putin kritisiert US-Außenpolitik

6. Dezember 2004, 09:23
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Russlands Präsident spricht von "Diktatur in den internationalen Beziehungen"

indirekt als "diktatorisch" sieht Unilateralismus als Ursache für Terror

Neu Delhi - Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Außenpolitik der USA indirekt als "diktatorisch" bezeichnet und für eine Verschärfung der Probleme in der Welt verantwortlich gemacht. Die zunehmende Dominanz einer einzelnen Macht werde die "globalen Gefahren des internationalen Terrorismus, der organisierten Kriminalität und des Drogenhandels vergrößern", sagte Putin in einer am Samstag vom Kreml veröffentlichten Rede, die er am Freitag im Rahmen seines dreitägigen Staatsbesuchs in Indien gehalten hatte.

Durch die Vorherrschaft einer Supermacht würden sich Massenvernichtungswaffen schneller verbreiten und leichter in die Hände von Terroristen fallen, ergänzte Putin. Regionale Konflikte nähmen zu.

"Eine Diktatur hat noch niemals in der Geschichte der Menschheit und wird auch niemals solche Probleme lösen, schon gar nicht eine Diktatur in den internationalen Beziehungen", sagte Putin weiter. Es helfe dabei auch nicht, "wenn die Diktatur in schöne pseudo-demokratische Phrasen gehüllt" werde, sagte der Kreml-Chef. "Im Gegenteil, das macht alles nur noch schlimmer." Zu einer Lösung der Schwierigkeiten sei nur ein ausgewogenes, auf internationalem Recht fußendes demokratisches System fähig.

Der russische Präsident kritisierte außerdem, dass der Westen bei Terroristen mit zweierlei Maß messe. Russland hat den USA und Großbritannien wiederholt vorgeworfen, Tschetschenen Zuflucht zu bieten, die von Moskau als Terroristen betrachtet werden. So gewährte London dem Sprecher des tschetschenischen Rebellenführers Aslan Maschadow, Achmed Sakajew, politisches Asyl. Washington tat dasselbe bei Ilias Achmadow, Maschadows Vertreter in den Vereinigten Staaten. (APA)

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