Grünes Licht für Ausstieg aus VA Tech

16. Dezember 2004, 14:23
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Zahlt Siemens mehr als 55 Euro pro Aktie, nimmt die ÖIAG das Geld, den Preis treiben will sie offenbar nicht

Wien – Eine Vorentscheidung in Sachen VA Tech hat der ÖIAG-Aufsichtsrat am Freitag gefällt: Die Verstaatlichtenholding wird den Preis für die Übernahme des Linzer Anlagenbau- und Energietechnikkonzerns durch Siemens mit ihrem 14,7-prozentigen Aktienpaket nicht in die Höhe treiben. Sollte Siemens mehr als die 55 Euro je VA-Tech-Aktie bezahlen, werde man den Mehrpreis natürlich nicht ablehnen, feilschen werde man um einen höheren Preis aber nicht, so die in Kapitalvertreterkreisen kolportierte Rechtfertigung nach der Sitzung.

Offiziell haben die ÖIAG-Räte ihren Vorstand freilich nur ermächtigt, die 2,25 Millionen Stück VA-Tech-Aktien der ÖIAG zum Mindestpreis von 55 Euro an Siemens zu verkaufen. "Der Vorstand hat nicht den Auftrag, den Preis bei Siemens in die Höhe zu treiben", sagte ein Aufsichtsratsmitglied zum STANDARD.

Hoffen auf Fonds

Einzige Hoffnung des VA-Tech-Streubesitzes sind nun Fonds wie Goldman Sachs und Fidelity. Sie können den Übernahmepreis, dessen offizielle Veröffentlichung durch die Übernahmekommission für Montag erwartet wird, in die Höhe treiben. Denn sie können aufgrund der satzungsmäßigen Stimmrechtsbeschränkung nicht nur eine Zwangsabfindung der Tech-Aktionäre und damit ein Delisting an der Wiener Börse verhindern, sondern auch die Integration in den Siemens- Konzern, welcher eine Teilung vorangehen müsste.

ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel wollte sich zur Höhe des Siemens-Angebots nicht äußern. Der ÖIAG-Vorstand habe ohnehin seit längerem den Wunsch nach einem über die 55 Euro hinausgehenden Angebot signalisiert, sagte Heinzel.

"Kriterien erfüllt" Den Verkauf selbst findet er offenbar regierungskonform: "Aus heutiger Sicht können die Kriterien erfüllt werden", sagte Heinzel nach der Sitzung in Anspielung auf die Auflagen gemäß Privatisierungsauftrag, wonach Headquarter, Forschung und Börsennotierung möglichst in Österreich bleiben sollen. Sobald das Übernahmeangebot vorliege, werde man dieses genau prüfen.

Entschieden wurde weiters, dass ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch bis Ende Juni 2006 in dieser Funktion verlängert wird. Im Gegensatz zum VA-Tech-Deal stimmten für die Verlängerung des 60-jährigen Diplomingenieurs alle ÖIAG-Räte, also auch die Personalvertreter. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.12.2004)

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