Licht aus für Ö-Strom-Lösung

29. Dezember 2004, 10:02
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Nach Verbund-Chef Hans Haider legte sein Vorstandskollege Michael Pistauer am Donnerstag ein Schäuferl nach: Ohne scharfen Wettbewerb brauche es keine Ösl

Wien – Der angekündigte Tod der Österreichischen Stromlösung Ösl rückt wieder ein Stück näher. Nach Verbund- Chef Hans Haider legte Verbund-Finanzchef Michael Pistauer am Donnerstag ein Schäuferl nach: "Die Ösl war gedacht als Antwort auf einen aggressiven Wettbewerb im Endkundenmarkt in Europa."

Die Branche habe sich in den letzten drei Jahren aber so stark verändert, weshalb der Ösl zunehmend die Geschäftsgrundlagen entzogen worden seien", sagte Pistauer nach einer Pressekonferenz des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs.

"Angepeilte Synergien nicht mehr gesichert"

Was noch schwerer wiegt: "Die angepeilten Synergien sind nicht mehr gesichert." Von 40 Mio. Euro sieht der Verbund derzeit nur 32 bis 34 Mio. Euro "und die auch nicht nachhaltig", wie Pistauer betonte. Daher sei die Ösl nur möglich, wenn nach Nachverhandlungen geführt würden, was man dem Ösl-Partner EnergieAllianz (EA), dem gemeinsamen Großkundenvertrieb von EVN, Wien Energie, Bewag, Linz AG und Energie Oberösterreich AG zugesagt habe.

Den kryptischen Angaben der Bundeswettbewerbsbehörde zufolge steht derzeit freilich nicht nur die Ösl auf dem Prüfstand, sondern auch die EA selbst. "Außer der EVN glaubt niemand mehr an einen dauerhaften Fortbestand der EA", sagte ein EA-Insider zum Standard. Denn ohne ausländische Wettbewerber – die sind, wie berichtet, aus Österreich wieder abgezogen – brauche es auch keinen "Stromostblock". Offiziell will man bei der EA zur Ösl freilich nichts sagen, der Zusammenschluss sei von den Eigentümern gewünscht und von der EU genehmigt.

Vorentscheidung

Eine Vorentscheidung wird für Montag erwartet, da werden Walter Barfuß von der Bundeswettbewerbsbehörde und Stromregulator Walter Boltz die Rohfassung ihrer Branchenuntersuchung präsentieren. Barfuß hatte bereits im Vorfeld angekündigt, "dass gewisse Konstrukte in der Stromwirtschaft überdacht werden müssen", was Insider nicht nur auf die Ösl, sondern auch auf die EA bezogen.

Bis eine endgültige Entscheidung vorliegt kann die E- Wirtschaft die schlechten Rahmenbedingungen für Kraftwerks- und Leitungsbau beklagen. Um den pro Jahr um zwei Prozent steigenden Strombedarf decken und Importe hintanhalten zu können, braucht Österreich laut einer von TU-Professor und Verbund-Aufsichtsrat Günther Brauner erstellten Studie neue Kraftwerke im Volumen von 3000 bis 5000 Megawatt.

2015 werden 60 Prozent der thermischen Kraftwerke 35 Jahre alt, ohne Ersatz sinke die Kraftwerksleistung um 60 Prozent. Mehr Importe heiße aber Verstärkung der Leitungen, vor allem der 380-KV-Leitung in der Steiermark. Steigt der Strompreis nicht von 33 auf 40 Euro je Megawattstunde Grundlast, rechne sich aber kein Kraftwerksbau. (ung, Der Standard, Printausgabe, 03.12.2004)

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    Der angekündigte Tod der Österreichischen Stromlösung Ösl rückt wieder ein Stück näher

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